15.05.2021
Museum

Frühlingsspaziergang auf Eintracht-Spuren - Teil 8

Da das Museum wegen der Coronapandemie geschlossen ist, startet einfach ein Stadtrundgang auf den Spuren der Eintracht.

Der Stadtrundgang geht weiter. Um die guten Geister vor dem Spiel auf Schalke zu beschwören, empfehlen sei euch diesmal ein Kurzbesuch zum Ort der Gründung von Eintracht Frankfurt empfohlen. Übrigens: Das Buch „59 Eintracht-Orte“, dem dieser Text entnommen ist, gibt’s für nur 15 Euro im Eintracht Frankfurt Museum, derzeit leider nur per Post. Bestellen könnt ihr unter museum@eintrachtfrankfurt.de

Eintracht-Ort: Düsseldorfer Straße 14

Läuft man vom Hauptbahnhof Richtung Messe, kommt man durch die Düsseldorfer Straße. Hier, im damaligen Haus Nummer 14, fand die wohl wichtigste Versammlung der Vereinsgeschichte statt. Die Gründungsversammlung. Wir sind mal ganz tief ins Archiv gestiegen und zitieren aus einem Manuskript mit Erinnerungen von Michael Pickel, das er 1924 angefertigt hat. Wichtig zum Verständnis: Die Düsseldorfer Straße hatte 1899 noch einen anderen Namen, sie hieß Hohenzollernstraße. Und so ging sie vonstatten, die Gründung der Eintracht, die eigentlich aus zwei Akten besteht. Dem Entschluss, einen Verein zu gründen, der einmal Deutscher Meister wird, und der darauffolgenden Tat:

„Meinungsverschiedenheiten innerhalb des F.F.C. ‚Germania‘ 1894, und zwar zwischen dem damaligen Vorsitzenden Albert Pohlenk und den gleichgesinnten Seelen Alb. Gerhardt, Emil Müller, Hans Schnug & L. Heil einerseits und den Fussball-Koryphäen I. K. Roth, M. Fritz Seidenfaden andererseits, führten in der Frühjahrshauptversammlung der ‚Germania‘ zum Austritt der ersterwähnten fünf Leute, die ‚im gerechten Zorn‘ sofort die Wallstadt der letzten Redeschlacht verliessen. Erster und einziger Gedanke dieser winzigen Schar war die Gründung eines neuen Vereins und Pohlenk konnte seinen Jüngern unter nächtigem Himmel eine erste Standpauke halten, in der er auf die Schwierigkeiten hinwies, die mit der Schaffung und dem Aufbau des Vereins verbunden waren. Darauf zogen diese Mannen in die Wirtschaft des Vaters von Emil Müller, Hohenzollernstr. 14, wo sie sich, ermutigt durch einige Stammtischgäste, über die Gründung des neuen Vereins unter dem Namen Frankfurter Fußballklub ‚Victoria‘ einig wurden. Einige Tage später fand die Gründungsversammlung statt.“

Die Düsseldorfer Straße 14 in Frankfurt heute.

Dass die Victoria gegründet wurde, weil es innerhalb der Germania, Frankfurts ältestem Fußballverein, zu Unstimmigkeiten kam, ist bekannt. Wir haben aber weitere Details herausgefunden und können weitere Orte nennen. Das Vereinslokal der Germania war 1899 das Café zur Oper. Hier fand vermutlich die besagte Frühjahrshauptversammlung statt. Albert Pohlenk und die anderen Abtrünnigen mussten also stinksauer vom Opernplatz bis zur Hohenzollernstraße laufen, das sind circa 1.200 Meter. Die genaue Wegeführung ist nicht mehr zu eruieren, aber es bot sich an, über die Taunusanlage und die Mainzer Landstraße zu marschieren. Wo die Standpauke stattfand, ist auch nicht überliefert. Jedenfalls landete die wütende Truppe in der Gaststätte „Friedrichshof“. Die wurde von F. C. Müller betrieben. Das F. C. stand für Friedrich Carl, und der war der Papa unseres Mitbegründers Emil Müller. Bei der Gründung des Vereins am 8. März 1899 wurde Emil Müller zum Kassierer gewählt, Papa F. C. Müller trat, wie wir der Gründungsurkunde entnehmen, als der erste Sponsor der Vereinsgeschichte auf: Ihm wurde „ein Salamander gerieben für die Stiftung des Balles“, ein studentisches Ritual der akademischen Trinkkultur. Wichtig noch: „Als Spielfarbe wurde schwarz-weiss-rot gewählt, ferner, dass in roter Blouse, weissem Gürtel und schwarzer Hose gespielt wird.“

Im Friedrichshof traf sich die Victoria nicht lang. Schon ab 1902 tagte man im „Schlesinger-Eck“ in der Großen Gallusstraße 2a. Ab 1914 wird in den Adressbüchern für die Hohenzollernstraße 14 die Gaststätte „Hohenzollern-Automat“ beworben. Ein Automatenrestaurant war ein Selbstbedienungsrestaurant mit Sitzplätzen, in dem Gerichte und Getränke in Verkaufsautomaten mit Münzeinwurf angeboten wurden. Diese technische Sensation war damals der „letzte Schrei“ und begeisterte die Gäste. Wir können also zusammenfassen: Vielleicht stand an dem Ort, an dem die Eintracht gegründet wurde, auch Frankfurts erstes Schnellrestaurant.

Kontakt

Eintracht Frankfurt Museum
Deutsche Bank Park 
Mörfelder Landstraße 362
60528 Frankfurt
Telefon: 069 95503 275
museum.eintracht.de
museum@eintrachtfrankfurt.de

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