12.03.2021
Museum

Die Gründerväter der Eintracht - Teil 3

An dieser Stelle kommen nach und nach sämtliche Vereinsgründer unter die Lupe. Eine Suche nach den Menschen, die diesen Verein einst aus der Taufe gehoben haben.

Am 8. März 1899 wurde die Eintracht von 15 sportbegeisterten Frankfurtern unter dem Namen Victoria gegründet. Was aus den Gründern wurde, möchte das Eintracht-Museum mithilfe aller Eintracht-Fans klären. Walter Engel aus Westfalen hat sämtliche Gründernamen in den Adressbüchern von Frankfurt abgeglichen und Spuren gefunden. Dafür ein herzliches Dankeschön! Bis zum Jahrestag des ersten Spiels gegen den Bockenheimer FC 1899 am 19. März wird jeder Vereinsgründer vorgestellt sein. Je mehr von der Spurensuche erfahren, desto besser natürlich – also gerne weitersagen und teilen!

Der dritte Teil dieser kleinen Serie widmet sich Friedrich Carl Müller und E. Lichtenberg.

Friedrich Carl Müller

F.C. Müller wird in der Gründungsurkunde in der linken Spalte an sechster Stelle aufgeführt. Diesem ominösen F.C. kam eine wichtige Aufgabe zuteil, die wir gut dokumentieren können: „…Darauf zogen diese Mannen in die Wirtschaft des Vaters von Emil Müller, Hohenzollernstr. 14, wo sie sich, ermutigt durch einige Stammtischgäste, über die Gründung des neuen Vereins unter dem Namen Frankfurter Fußballklub „Victoria“ einig wurden…“

Da ist die Erklärung: F.C. Müller, dessen Kürzel für Friedrich Carl steht, ist keiner der Fußballer und auch keiner der mehr oder minder zufällig Anwesenden. F.C. Müller ist aus gutem Grund anwesend, er ist der Wirt der Gaststätte und damit quasi Gastgeber der Veranstaltung. Sein Handwerk hat er übrigens gelernt. Bereits im Jahr 1878 findet sich eine erste Spur des Gastwirts in den Adressbüchern. Zu dem Zeitpunkt hat er eine Gaststätte in der Hasengasse 11. Im folgenden Jahr gibt es eine neue Adresse, diesmal Hasengasse 15. Dieses Haus war 1878 offenbar im Umbau, es ist das Eckhaus zur Zeil, die Adresse Hasengasse ist gleich der Adresse Zeil 27. Dort weicht ein „Manufacturen- und Modewaarenhaus (sic!) Maier“ der neuen Gaststätte. Ab 1880 wird Müller auch als Eigentümer und Wirt genannt, er hat also investiert und nutzt in der Hasengasse 15 das Erdgeschoss für die Gastwirtschaft und wohnt im 2. Stock. Die Gastwirtschaft ist zu der Zeit übrigens das Stammlokal für den Gesangsverein Preciosa, Vereinsstunden sind am Freitagabend um 9 Uhr. 1891 verkauft Müller die Gaststätte an die Rheinische Brauerei, bis 1893 bleibt er aber Verwalter. Ab 1895 ist F.C. Müller neuer Wirt der „Kaiserhallen“ in der Schäfergasse 13. In der gleichen Straße hatten übrigens die Eltern unserer Olympiasiegerin Tilly Fleischer ihre Metzgerei. Für uns aber zu diesem Zeitpunkt wichtiger: Die „Kaiserhallen“ werden das Clublokal des Frankfurter Fußballclub „Germania“, die sich hier Mittwochsabends treffen. Schon zu dieser Zeit hatte F.C. also Kontakte zu Fußballern, sein Sohn Emil sicher auch. Und bei den Clubabenden werden sie auch einen weiteren späteren Eintracht-Gründer getroffen haben. 1897 war A. Reik nämlich „Gerätheverwalter“ bei der Germania. 

1898 zog F.C. Müller weiter, im Holzgraben 7 betrieb er fortan die Gastwirtschaft „Zur Pfalz“. Nicht auszudenken, wenn unsere Eintracht da gegründet worden wäre. Scheinbar erschien ihm der Name der Restauration auch nicht so attraktiv, denn schon 1899 übernahm er eine neue Gaststätte. Anfang 1899 wurde die Bahnstraße im Bahnhofsumfeld umbenannt in Hohenzollernstraße. In dieser, genau in der Hausnummer 14, übernahm er zu Jahresbeginn 1899 von Heinrich Schlegel eine Kneipe. Die Gaststätte „Zum Friedrichshof“ wird am 8. März 1899 zum Gründungsort der Eintracht, Friedrich Carl gehört zu den Mitbegründern. Im Gründungsprotokoll ist vermerkt: „Zum Schluss wurden noch Ehrungen ausgebracht und zwar wurde Herrn Müller ein Salamander gerieben für die Stiftung des Balles“. Der Kneipenwirt war also unser erster Sponsor. Damit ist alles Wichtige erledigt, schon 1901 übergibt Müller die Gaststätte an einen Herrn Bachmann, später an Herrn Dörr. Als Mithauseigentümer ist er Privatier und wohnt im 3. Geschoss. Den Friedrichshof gibt es bis 1911, dann entsteht an dem Ort, an dem die Eintracht gegründet wurde, Frankfurts erstes Automatenrestaurant, der „Hohenzollern-Automat“. Betreiber ist August Max Kannstein. Der hat aber auf den ersten Blick nichts mit der Eintracht zu tun.

Frage: Wessen Opa hatte in Frankfurt zahlreiche Kneipen – und hat nur einmal beim Gaststättennamen daneben gelegen? Bitte melden!

E. Lichtenberg

E. Lichtenberg, der in der Gründung in der linken Spalte als siebter genannt ist, ist niemals als Spieler oder Funktionär in Erscheinung getreten und fällt daher aller Vermutung nach in die Kategorie „Stammtischgast“. Der Familenname Lichtenberg taucht im Adressverzeichnis 1898 selten auf, genau genommen drei Mal: Es gibt einen Carl Lichtenberg, der als Eisenbahner in der Hardenbergstrasse 11 wohnt, einen Ludwic, der im Sandweg 21 eine Buch- und Steindruckerei betreibt und einen Kaufmann Oscar, der Im Trutz 39 wohnt. Nach Beruf und Wohnort spricht eine Wahrscheinlichkeit für einen Zusammenhang mit dem Eisenbahnbediensteten aus der Hardenbergstraße. Diese befindet sich südlich vom Hauptbahnhof. Der Eisenbahner Carl könnte einen Zweitnamen gehabt haben oder einen Sohn, dessen Name mit E. beginnt. Weitere Informationen liegen nicht vor.

Hier tappen wir noch ganz schön im dunkeln. Da muss jetzt der Name weiterhelfen! Hallo ihr Lichtenbergs dieser Welt, schaut doch mal in Euren Bilderalben. Gab es einen Eisenbahner in der Familie?  

SGE-SUCHT: Zum 122. Geburtstag

Was aus den anderen Gründern wurde, soll sich in den nächsten Tagen mit Hilfe aller Eintracht-Fans klären. Walter Engel aus Westfalen hat sämtliche Namen in den Adressbüchern von Frankfurt abgeglichen und Spuren gefunden. Dafür ein herzliches Dankeschön! Bis zum Jahrestag des ersten Spiels gegen den Bockenheimer FC 1899 am 19. März wird jeder Vereinsgründer vorgestellt sein. Je mehr von der Spurensuche erfahren, desto besser natürlich – also gerne weitersagen und teilen!

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