27.04.2017
Traditionsmannschaft

„Wir wussten, dass wir unsere Chancen bekommen würden“

Der VfL-Wolfsburg zählt nicht gerade zu den Lieblingsgegnern der Eintracht. Von bislang 29 Erstligabegegnungen konnten die Wölfe gut die Hälfte für sich entscheiden, während die SGE nur fünfmal den Platz als Sieger verließ (5S-10U-14N). Unter diesen Siegen gab es dafür richtig schöne. So zum Beispiel das Heimspiel der Saison 2003/04. Traditionsspieler Ervin Skela stand damals auf dem Platz und erinnert sich für uns.

Ervin, im November 2003 ist euch gegen den VfL Wolfsburg ein besonderer Sieg gelungen: 3:2 nach 0:2 Rückstand. Kannst du dich noch an die Ausgangslage erinnern?

Klar. Die ganze Saison stand im Zeichen des Abstiegskampfs. Wir waren Aufsteiger und hatten keine großen finanziellen Möglichkeiten, um den Kader aufzurüsten. Es war von vornherein klar, dass wir mit dem Rücken zur Wand standen und jeden Punkt brauchen würden. Das war dann auch die Situation vor dem Wolfsburgspiel. Wir standen auf einem Abstiegsplatz und drohten den Anschluss zu verlieren.

Und es lief denkbar schlecht an: Obwohl die Eintracht die ersten Minuten dominierte und gute Chancen hatte, waren es die Wölfe, die die Tore machten. Nach nicht einmal einer halben Stunde stand es durch Tore von Karhan (13.) und Klimowicz (26.) 0:2.

Es ist oft im Fußball so, dass die Leistung einer Mannschaft besser ist, als ihre Ergebnisse. Das haben wir zuletzt ja auch wieder bei der Eintracht erlebt: Die Leistung stimmt, die Chancen sind da, aber die Tore schießen die anderen. Da gibt es tausend Beispiele. Im Spiel damals war entscheidend, dass Christoph Preuß noch vor der Halbzeit das Anschlusstor erzielt hat. Wir haben uns dann in der Kabine eingeschworen und gegenseitig angefeuert. Wir wussten, dass wir unsere Chancen bekommen würden. Und so war es auch.

Den Ausgleich in der 55. Minute hast du durch einen Elfmeter erzielt, den du selbst herausgeholt hast. Eigentlich heißt es doch, der Gefoulte soll nicht selbst schießen. Abergläubisch bist du wohl nicht?

(lacht) Nein, ich glaube an so etwas nicht. In dem Moment habe ich noch nicht einmal an diesen Spruch gedacht. Ich habe auf dem Platz immer Verantwortung übernommen, egal ob im Spielfluss oder bei Standards wie Elfmeter oder Freistoß. Ich war fest als erster Schütze eingeteilt und da gab es für mich gar kein Zögern.

Anschließend habt ihr alles nach vorne geworfen…

Wir haben so viel Druck gemacht, sind immer wieder angelaufen und haben uns Chancen erarbeitet. Im Stadion war eine Wahnsinnsstimmung, obwohl die Arena damals noch eine Baustelle war. Die Fans haben uns nach vorne gepusht und wir haben alles aus uns herausgeholt. Das 3:2 durch Beierle war eine Riesenerleichterung und die Belohnung für unsere kämpferische Leistung. Man muss ganz deutlich sagen, dass wir personell mit solchen Mannschaften wie Wolfsburg nicht mithalten konnten. Es ging nur über eine geschlossene Mannschaftsleistung, Kampf und Wille.

Was hat dieser Sieg der Mannschaft bedeutet?

Die Erfahrung war sehr wertvoll. Nach 0:2-Rückstand das Spiel zu drehen hat allen gezeigt, dass die Mannschaft intakt war und gute Moral besaß. Wir haben uns nicht aufgegeben. Durch diesen Sieg konnten wir den Anschluss in der Tabelle halten, so dass wir bis zum letzten Spieltag Chancen auf den Klassenerhalt hatten. Dass es nicht gereicht hat, lag jedenfalls nicht an mangelndem Kampfgeist. Wir waren in der Liga spielerisch einfach deutlich unterlegen.

Seitdem sind bald 15 Jahre und zahlreiche Aufeinandertreffen vergangen. Jetzt steht das Match erneut auf dem Programm, was erwartest du von diesem Spiel?

Zunächst muss man mal sehen, was sich in dieser Zeit bei beiden Mannschaften alles Entwickelt hat. Wolfsburg war zwischenzeitlich Deutscher Meister und Pokalsieger. Sie haben Champions League gespielt. Sie hatten und haben zahlreiche Topleute in ihren Reihen. Das verdient Respekt, auch wenn sie in dieser Saison hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben sind. Und für uns gilt das Gleiche. Zu meiner Zeit musste die Eintracht noch mit allen Mitteln um die Lizenz und damit ums Überleben kämpfen. Wir wurden Jahr für Jahr stärker. Klar gab es auch die Rückschläge, aber insgesamt hat sich alles so positiv entwickelt, dass wir ganz anders auftreten können. Das stimmt mich optimistisch für das heutige Spiel.

Gleichwohl tut sich die Eintracht gegen den VfL gerne schwer…

Die Klasse haben die Wölfe auf alle Fälle. Unterschätzen wird sie sicher auch niemand. Irgendwie hat es in dieser Saison einfach nicht gepasst. Es kam keine Konstanz rein. Die Trainerwechsel innerhalb der Saison, der Verlust von Schlüsselspielern wie Draxler oder Verletzungen wie bei Didavi… das ist nicht leicht aufzufangen. Ich sehe uns da wesentlich stabiler. Wir haben trotz der zwischenzeitlichen Durststrecke eine tolle Saison gespielt und stehen zu Recht vor den Wölfen. Auch dass wir ins Pokalfinale eingezogen sind, kommt nicht von ungefähr. Aber nochmal: Wolfsburg ist nicht zu unterschätzen. Sie stecken hinten drin und werden alles dafür tun, uns das Leben schwer zu machen.

Dein Tipp?

Ich hoffe wir können den nächsten Dreier zuhause holen, damit die Spieler mit den Fans feiern können. Ich tippe auf 2:1.

0 Artikel im Warenkorb