03.04.2021
Museum

Die Eintracht als Trendsetter

Der 3. April ist ein sporthistorisch bedeutsamer Tag. Denn vor 50 Jahren kam die erste Rote Karte der Bundesligageschichte zur Anwendung.

Es versteht sich von selbst, dass diese Ehre der Eintracht zuteil wurde. Genaugenommen war es Friedel Lutz, Meisterspieler von 1959, der für die Premiere verantwortlich war.

Im Nachgang des 5:2-Siegs gegen Eintracht Braunschweig vom 3. April 1971 war die Berichterstattung über die erste Rote Karte sehr verhalten. Der kicker titelte: „Die erste Rote Karte für Lutz“ und ließ den vom Platz gestellten zu Wort kommen: „Ich kann mich gar nicht richtig erinnern, wie das passiert ist. Bei mir ist alles durcheinander“, antwortete Lutz damals recht scheinheilig, denn natürlich wusste er genau, was passiert war. Heute klingt das geständiger: „Es kam eine Flanke in den Strafraum, ich wollte den Ball in Schräglage aus der Gefahrenzone befördern. Da ist mir der Jaro Deppe mit gestrecktem Fuß auf das Schienbein drauf, ich hatte ja keine Schienbeinschoner an. Das hat höllisch wehgetan, da habe ich ihm in den Hintern getreten.“

Das hat höllisch wehgetan, da habe ich ihm in den Hintern getreten.

Friedel Lutz

Wilfried Hilkers hatte ob dieser offensichtlichen Tätlichkeit keine Wahl und schickte Lutz vom Platz. „Schon als der Schiedsrichter ankam und an seine Tasche gegriffen hat, wusste ich: Das war‘s – und bin direkt in Richtung Kabine gegangen“, erinnert sich Lutz. Nach Spielende versöhnte er sich mit Gegenspieler Deppe, die Strafe für das Vergehen fiel letztlich milde aus. „Das war damals kein großes Thema“, sagt Lutz heute – und hat recht: Während Lutz in Frankfurt Rot sah, brach in Mönchengladbach beim Spiel gegen Werder Bremen ein Torpfosten – die Bundesliga hatte eine Sensation, der Platzverweis geriet in den Hintergrund. In der Vereinszeitung der Eintracht fand die sporthistorische Szene überhaupt keine Erwähnung. Zumal es Platzverweise gibt, seit es den Fußball gibt – neu war im Frühjahr 1971 lediglich, dass diese mit einem optischen Signal verbunden war. Das System habe sich bei der WM 1970 in Mexiko „zur Verdeutlichung der Entscheidungen gegenüber Spielern und Zuschauern“ bewährt, so der Deutsche Fußball-Bund (DFB) in einer Pressemitteilung vom Januar 1971.

Gesühnt und versöhnt

Es dauerte bis in die Zeit des 50. Geburtstags der Bundesliga, ehe die Geschichte um Lutz, Deppe und den Tritt in den Allerwertesten wieder an die Öffentlichkeit kam. 2013 meldete sich Schiedsrichter Wilfried Hilkers telefonisch bei Lutz, die beiden verabredeten sich und trafen sich im Lutz‘schen Hobbykeller in Bad Vilbel. „Wir haben viel gelacht, er hat mir versichert, dass er damals nicht anders entscheiden konnte – und ich habe ihm bestätigt, dass er richtig lag“, erinnert sich Friedel an den schönen Nachmittag mit Kaffee, Bier und bunten Schnittchen, liebevoll zubereitet von Gattin Helga. Und auch in den vergangenen Tagen klingelte das Telefon immer wieder bei ihm. Journalisten aus dem ganzen Land mochten wissen, wie es vor 50 Jahren war, als in der Bundesliga die erste Rote Karte zur Anwendung kam. Der geschichtsträchtige Sünder erzählt die Geschichte, die jahrzehntelang kein Thema war, immer wieder und er ist amüsiert, welches Interesse daran besteht. „Ich war ein schneller, fairer Spieler und habe über 400 Pflichtspiele für die Eintracht absolviert. In meiner ganzen Karriere bin ich nur ein Mal vom Platz gestellt worden. Das war dann ausgerechnet die erste Rote Karte.“

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