12.12.2013
Klubmagazin

Thomas Lasser: Ich war einfach zu ungeduldig

Bereits in der Jugend kam er zu Eintracht Frankfurt. Thomas Lasser spricht im Interview über seine Bundesligazeit und aktuelle Geschehnisse in unserer Traditionsmannschaft.

Thomas Lasser, du bist in der Region aufgewachsen und hast schon in der Jugend für die Eintracht gespielt. In der Saison 88/89 ist dir der Sprung in die erste Mannschaft geglückt. Das war ein turbulentes Jahr, bei dem der Klassenerhalt haarscharf gelungen ist. In den weiteren drei Saisons folgten dann erfolgreichere Zeiten. Wenn du auf deine Karriere zurückblickst, was empfindest du da?

Wenn ich so zurückschaue, war das natürlich eine super Sache mit solch klasse Spielern wie Uwe Bein und Andreas Möller in einer Mannschaft spielen und trainieren zu dürfen. Und es war ja auch für die Eintracht eine tolle Zeit mit einem super Kader.

Du hast am 18.02.1989 dein Bundesligadebüt gegeben, gleich in der Startelf und dann auch noch gegen den FC Bayern München. Das ist doch sicher etwas besonderes?

Das ist etwas absolut besonderes. Ich mag Bayern sowieso, weil ich der Meinung bin, dass sie eine gute Arbeit machen und uns auch viele gute Fußballerlebnisse liefern. Gegen so jemanden spielen zu dürfen und das auch noch im ersten Spiel war schon irre und auch irgendwo eine Ehre. Das Spiel ging nicht verloren, wir haben beim 2:2 einen Punkt geholt. Für mich war es natürlich das besondere Erlebnis in meiner Fußballkarriere.

Wie muss man sich das vorstellen: Du bist da als ganz junger Spieler in einer Mannschaft mit jeder Menge Größen wie Charly Körbel, die alle gesetzt gewesen sind und auf einmal kommt Jörg Berger im Vorfeld und sagt dir „Junge, du wirst gegen den FC Bayern auflaufen!“. Oder wie ist das gewesen?

Naja, im Prinzip war es ja erst mal eine tragische Geschichte, dass ich überhaupt zu den Profis aufgerückt bin. Das hing alles mit dem Autounfall von Peter Hobday zusammen. In der Winterpause habe ich dann mittrainiert und mir eigentlich keine großen Gedanken gemacht. Ich habe nie damit gerechnet, dass ich spielen würde. Und drei Tage vor dem Spiel gegen Bayern hat Jörg Berger mit mir gesprochen und mir gesagt, dass ich von Anfang an spiele. Da hab ich mich logischerweise riesig gefreut und war auch sehr aufgeregt.

Hast du noch Erinnerungen an das Spiel?

Nein. Es war alles so ein bisschen wie in Trance. Die ganzen neuen Eindrücke. Ich hab das irgendwie nicht so richtig im Detail mitgekriegt. Das war alles ein bisschen viel. Aber es ist gut gelaufen und ich durfte durchspielen.

Wir haben es vorhin schon kurz angesprochen: Die Saison 88/89 verlief für die Eintracht alles andere als optimal, nur dank des besseren Torverhältnisses wurde überhaupt der direkte Abstieg vermieden. Und die Relegationsspiele gegen Saarbrücken standen auch auf des Messers Schneide. Du kamst in beiden Spielen zum Einsatz. Erinnerst du dich?

(lacht) Ja, speziell an das Rückspiel habe ich noch Erinnerungen. Jörg Berger sagte mir, dass er in einem solchen Spiel auf Erfahrung setzen wolle und ich daher nicht von Anfang an spielen würde. Das war auch völlig in Ordnung. Ich saß also draußen und Dietmar Roth war schon in der ersten Hälfte rot-gefährdet. Ich kam in der 30. Minute für ihn rein und bin am Ende noch mit gelb-rot vom Platz geflogen!

Was war da los?

Ich habe kurz vor Schluss den Ball auf die Tribüne gehauen, um Zeit zu gewinnen. Das hat dem Schiedsrichter nicht so gut gefallen. Aber wir haben es geschafft, die Erleichterung auf der Busfahrt nach Hause war schon riesig. Da haben wir natürlich gefeiert.

Die ARD hat vor nicht allzu langer Zeit sinngemäß mit dem Slogan „Das erste Tor vergisst man nie“ für die Sportschau geworben. Saison 90/91, Borussia Dortmund gegen Eintracht Frankfurt, Endstand 0:3 und in die Torschützenliste hat sich auch ein gewisser Thomas Lasser eingetragen. Erzähl!

(lacht) Ja, ich habe zwar keine große Bundesliga-Karriere gemacht und war auch nicht als Torjäger bekannt, ich bin aber schon ein bisschen stolz darauf, dass mir wenigstens ein Tor geglückt ist. Da habe ich mich sehr, sehr drüber gefreut. Gerade in Dortmund, mit dem tollen Stadion, dann auch noch ein 3:0-Sieg. Das war ein besonderer Tag. Steppi war gerade Trainer geworden, ich glaube Uwe Bein war verletzt, ich durfte im Mittelfeld ran. Das hat viel Spaß gemacht.

Kannst du dich an die Spielsituation erinnern?

Ja, das weiß ich sogar noch einigermaßen. Ich wurde angespielt, kam über die halbrechte Seite und habe den langen Michael Schulz ausgespielt und hab dann, eigentlich untypisch, obwohl ich von halbrechts kam, mit dem rechten Innenrist auf die kurze Ecke geschossen. Es sah auch in bisschen komisch aus, aber der Ball ging genau in den Winkel und war drin. Da war die Ästhetik zweitrangig.

Du hast es selbst schon angesprochen: Die große Bundesliga-Karriere ist dir trotz regelmäßiger Einsätze verwehrt geblieben. Woran hat‘s gelegen?

Wenn ich das mit kühlem Kopf rückblickend betrachte, war ich einfach zu ungeduldig. Es war meine Entscheidung zu gehen und bei Waldhof Mannheim zu spielen. Mit Distanz betrachtet war ja alles in Ordnung: Ich war ein junger Kerl, hatte noch ein Jahr Vertrag, stand fast immer im Kader, hatte genügend Einsätze. Es war einfach Ungeduld. Dieser Wille immer zu spielen war im Nachhinein sicherlich nicht das schlaueste.

Deine letzte Saison für die Eintracht war die berühmte Spielzeit 91/92. Beim letzten Spiel in Rostock warst du im Kader, kamst aber nicht zum Einsatz. Wie hast du das Drama von außen erlebt?

Katastrophe. Das war Wahnsinn. Sportlich lief die Saison so gut. Und in diesem letzten Spiel kam alles zusammen, bis hin zu der Ungerechtigkeit mit dem nicht gegebenen Elfmeter, was dazu geführt hat, dass Ralf Weber die Kamera kaputtgetreten hat. Das war schon hart. Ganz schlimm habe ich auch heute noch in Erinnerung, wie wir bei der geplanten Meisterschaftsfeier im Sheraton am Flughafen waren und die Stimmung einfach miserabel war.

Was war der bewegendste Moment deiner Karriere insgesamt, also auch über die Eintracht hinaus?

In meinem letzten Jahr bei Alemannia Aachen, als wir in die Zweite Liga aufgestiegen sind. Die Begeisterung in der Stadt und die Feierlichkeiten auf dem Marktplatz. Da war genauso viel los, wie wenn die Nationalmannschaft hier auf dem Römer empfangen wird. Und man muss sich vorstellen, das ist eine kleine Stadt, nach dem Aufstieg kennt dich jeder, du wirst überall gegrüßt und eingeladen. Das ging mir alles sehr nah.

Sprechen wir über die Aktualität bei der Eintracht. Wie schätzt du die Lage ein?

Es wird jetzt natürlich viel diskutiert über die Doppelbelastung mit der Euro League. Ich denke es hat auch viel mit Pech zu tun, wenn man auf die späten Tore blickt. Man sieht ja, sie spielen keinen schlechten Fußball. Ich glaube, dass sie sich aufrappeln und den Anschluss ans Mittelfeld schaffen werden. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass die Eintracht am Ende was mit dem Abstieg zu tun hat. Der zehnte Platz sollte drin sein.

Der kommende Gegner heißt Hoffenheim, was erwartest du?

Ich glaube, Hoffenheim ist ein gefährlicher, spielstarker Gegner mit einer guten Offensive. Aber zuhause, mit den Fans im Rücken, ist die Marschrichtung natürlich klar, schon aufgrund der Tabellensituation. Ich denke es geht 3:1 für die Eintracht aus.

Du bist seit diesem Jahr auch für die Eintracht-Traditionsmannschaft aktiv. Wie kam das?

Eigentlich hatte ich dem Fußball bereits abgeschworen. Ich meinte, alte Männer sollten sich lieber schonen, statt sich gegenseitig auf die Knochen zu treten. Dann war es aber Michael Anicic, der bei uns in Kelkheim Trainer von meinem Sohn ist, und mich immer wieder angehauen hat, „komm doch mal mit, komm doch mal mit“. Und irgendwann habe ich nachgegeben und wie das halt so ist, es macht super viel Spaß. Jetzt habe ich den kompletten Sommer durchgespielt und möchte auch gern weitermachen.

Wie ist es, mit den alten Freunden zu kicken?

Es ist klasse. Aber man wundert sich schon, wie viel Ehrgeiz bei allen noch vorhanden ist. Wir haben dieses Jahr nur ein Spiel verloren und wollen so spielen, dass wir gewinnen und auch zeigen, dass wir immer noch gut Fußball spielen.

Mit einem kleinen Augenzwinkern: Im letzten Heft haben wir über euer kurioses Ausscheiden beim Copa-Cup berichtet. Hast du das schon verarbeitet?

(lacht) Der Stachel sitzt tief. Nein quatsch, wir hätten natürlich gern weitergespielt, weil es in der Halle auch immer viel Spaß macht, aber so ernst nehmen wir es natürlich nicht. Die Enttäuschung hielt sich in Grenzen.

Letzte Frage: Was machst du derzeit beruflich?

Meine Frau und ich haben eine Handelsvertretung für Damenbekleidung und haben gerade Verkaufssaison. Im Augenblick warte ich auf einen Kunden.

Vielen Dank für das Interview und alles Gute!

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