11.05.2015
Klubmagazin

Regenschlacht in Usingen

Die Traditionsmannschaft der Eintracht ist zurück auf den Fußballplätzen der Region.

Beim Auftakt ihrer diesjährigen Rasensaison am Donnerstag, den 30. April, konnten sich die Eintracht-Goldies in einer umkämpften Partie mit 3:2 gegen die Alten Herren der Usinger TSG durchsetzen.

Das Wetter hätte durchaus ein wenig freundlicher sein können, an diesem letzten Aprilabend des Jahres in Usingen. Von der Sonne des Vormittags war schon am Nachmittag nichts mehr zu sehen, stattdessen hatte ein beständiger, kalter Schauer eingesetzt. Besonders zu spüren bekam das Norbert Nachtweih, der im Vorfeld der Begegnung mit seiner D2 vom JFC Frankfurt zum Eröffnungsspiel angetreten war und buchstäblich im Regen stand: „Langsam wird‘s ein wenig frisch“, sagte der sichtlich durchgeweichte 57-Jährige und sehnte seinen eigenen Einsatz herbei: „Dann bringen wir hier schon alle auf Temperatur.“

Geschätzte 300 Zuschauer trotzten dem Regen und waren gekommen, die Eintracht-Helden von einst ab 19 Uhr in Aktion zu sehen. Und die waren mit reichlich Prominenz angereist: Angeführt von Bundesliga-Rekordspieler Charly Körbel gaben sich Oka Nikolov (heute nicht im Tor, sondern im Mittelfeld), Ralf Weber, Manni Binz, Ronny Borchers, Norbert Nachtweih, Slobodan Komljenovic, Thomas Sobotzik, Thomas Lasser, Matthias Dworschak, Frank Gerster, Wolfgang Trapp, Claus-Peter Zick und Hansi Steinle die Ehre.

Das Spiel begann mit einem zögerlichen Abtasten, die Eintracht ließ den Ball laufen, die Usinger standen kompakt und ließen den Adlern keine Lücken. Nach gut sechs Minuten hatten die Gastgeber sogar die erste Chance nach einem Fehler im Aufbauspiel. Der Schuss von der Strafraumgrenze strich aber knapp über das Gehäuse von Hansi Steinle. Die Eintracht antwortete postwendend: Sobotzik kam unter Bedrängnis nach einer Hereingabe von Lasser zum Abschluss, sein Schuss verfehlte das Tor des Gegners aber haarscharf.

Nach 10 Minuten wurde Markus Favaro im Tor der TSG dann von Ronny Borchers zu einer Glanztat auf der Torlinie gezwungen. Der Druck erhöhte sich, insbesondere nach Standards war die Traditionsmannschaft nun immer wieder gefährlich. Und so kam es dann auch zur 1:0-Führung nach einer Viertelstunde: Ralf Weber brachte einen Freistoß von halbrechts in den Strafraum und fand dort Ronny Borchers, der den Ball links neben den Pfosten ins Tor verlängern konnte.

Fünf Minuten später hätte die SGE auf 2:0 erhöhen können: Nachtweih drang von links in den Strafraum, schlug einen Haken und legte dann mit Übersicht auf Komljenovic ab, der sich nicht lange bitten ließ und direkt abzog, allerdings knapp über das Tor zielte. Kurz darauf hatte Komljenovic erneut das Tor auf dem Fuß, sein Außenrist-Knaller fand aber in Markus Favaro seinen Meister.

Die TSG war bemüht, die Ordnung wieder herzustellen und entlastete sich immer wieder mit gefährlichen Kontern. Nach einem Ballverlust von Borchers im Mittelfeld ging es über zwei Stationen ganz schnell, der Schuss von Johannes Hoffart strich aber knapp links am Eintracht-Pfosten vorbei. Die SGE tat sich in dieser Phase des Spiels schwer den Abschluss zu finden, man vernahm die ein oder andere Unmutsäußerung der Adlerträger und die TSG witterte ihre Gelegenheit. Nach 30 Minuten brachte sie einen Freistoß vors Eintracht-Tor, die Goldies konnten die Situation nicht abschließend klären und nach einigem Hin und Her kam Felix Bank zentral aus kurzer Distanz zum Ausgleich.

Mit diesem 1:1 ging es in die Pause. Zerknirschte Mienen im Lager der SGE: „1:1 geht gar nicht, jetzt müssen wir uns nochmal anstrengen in der zweiten Hälfte“, gab Thomas Lasser die Marschroute aus. „Die machen das clever, stehen kompakt – da kann man dem Gegner keinen Vorwurf machen. Man merkt schon, dass uns ein wenig Spielpraxis fehlt“, ergänzte Matthias Dworschak, der die Wahrscheinlichkeit eines eigenen Treffers in diesem Spiel auf 0% schätzte.

Der Gegner witterte dagegen Morgenluft. „Wir müssen so weitermachen, die Eintracht viel in Bewegung halten und am Ende unsere Kräfte ausspielen“, zeigte sich Christian Konieczny zuversichtlich. Auch Bürgermeister Steffen Wernard, der nach einer Verletzungspause wieder bei der TSG mitmischte, setzte auf frische Beine gegen Spielende, zollte aber auch der Leistung der Eintracht Respekt: „Man sieht, die Eintracht-Oldies haben es nicht verlernt... 1a wie sie den Ball laufen lassen. Ich bin seit Kindheitstagen Eintracht-Fan, mein erstes Trikot war von Charly Körbel und jetzt gegen ihn zu spielen, ist schon eine tolle Sache.“

In der zweiten Hälfte erwischte die Eintracht dann einen klassischen Fehlstart: Fünf Minuten nach Wiederanpfiff gingen die Hausherren mit 2:1 in Führung durch Michael Pippinger, der sich im Strafraum durchsetzen konnte und mit seinem platzierten Schuss flach rechts neben den Pfosten Hansi Steinle keine Chance ließ. Gerster und Komljenovic hatten kurz darauf die Doppelchance zum Ausgleich, scheiterten aber jeweils knapp, wobei insbesondere „Slobos“ wuchtiger Kopfball ein sehenswerter Treffer gewesen wäre.
Der Regen war mittlerweile glücklicherweise gewichen, sogar der ein oder andere Abschnitt blauen Himmels war nun erkennbar. Eintracht-Sprechchöre beflügelten die Goldies und die schalteten nun auf dem Rasen einen Gang höher. Mit einem fulminanten Rechtsschuss aus knapp 20 Metern Torentfernung in zentraler Position setzte Thomas Sobotzik ein Ausrufezeichen und erzielte den 2:2-Ausgleichstreffer. Ein klasse Tor.

Und die Tradi legte nach: Zunächst scheiterte Frank Gerster nach einem genialen Steilpass von Ralf Weber in der 1:1-Situation an Markus Favaro, kurz darauf wurde Thomas Sobotzik im Strafraum elfmeterwürdig zu Fall gebracht. Die Usinger sahen es naturgemäß ein wenig anders, die Proteste brachten aber nichts, der Schiedsrichter zeigte auf den Punkt. Der Gefoulte trat selbst an und scheiterte tatsächlich mit seinem halbhoch geschossenen Ball am Torhüter. Da einige Usinger jedoch zu früh in den Strafraum gestürmt waren, wurde die Aktion wiederholt und diesmal hatte Sobotzik die besseren Karten – 3:2 für die Eintracht, eine bittere Pille für die wackeren Gastgeber.

Im weiteren Verlauf der Partie spielten die Adler ihre ganze Erfahrung aus, ließen den Ball schön laufen und verzückten mit der einen oder anderen gelungenen Direktpass-Stafette. Binz und Dworschak hatten noch sehenswerte Aktionen, die ein Tor verdient hätten. Dennoch wollte sich die TSG nicht geschlagen geben und kam ihrerseits noch zu einer klasse Kopfball-Chance, die Hansi Steinle mit toller Parade entschärfen konnte. Und auch die allerletzte Aktion des Spiels gehörte den Hausherren: Nach einem Ballverlust von Nikolov im Mittelfeld rollte ein brandgefährlicher Konter, der in höchster Not von Dworschak abgewehrt werden konnte.

3:2 also der Endstand in Usingen, die Traditionsmannschaft startete mit einem Sieg in die neue Runde. Auch wenn sie auf dem nassen Rasen das eine oder andere Mal ins Schlittern geriet, fiel sie nicht und gewann am Ende nicht unverdient. Matchwinner Sobotzik: „Man hat gesehen, dass es das erste Spiel in diesem Jahr war, der Ball ist noch nicht ganz rund gelaufen, aber wir haben den Auswärtssieg geholt, mehr kann man nicht machen.“

Die Spieler der TSG, die sich teuer verkauft hatten, nahmen die Niederlage sportlich und zollten dem Gegner Respekt: „Wir haben eine gute Leistung gezeigt, ein Unentschieden wäre drin gewesen. Ich denke, wir können stolz auf uns sein. Wir sind alle Eintracht-Fans – das war ein Riesenerlebnis. Besonders beeindruckt hat mich, wie unermüdlich der Borchers läuft, das ist schon Wahnsinn“, so Torhüter Markus Favaro.

So konnte der gemütliche Teil des Abends beim Get-together eingeläutet werden, bei dem auch der gute Zweck des Spiels immer wieder hervorgehoben wurde: „Die Einnahmen des Benefizspiels gehen zugunsten zweier Ponys, für die wir 2013 die Patenschaft übernommen haben“, erklärt Charly Körbel. „Das Geld leistet einen wichtigen Beitrag zur Versorgung der Tiere, die bei Andreas Schmidt auf dem Glockenhof untergebracht sind und dort eine hervorragende Pflege erfahren.“

Die Traditionsmannschaft der Eintracht dankt den Verantwortlichen der Usinger TSG, den Betreibern des Glockenhofs und natürlich ihrem Gegner auf dem Platz für das schöne Auftaktspiel und die herzliche Betreuung. Weiter geht‘s mit der Partie gegen die hr3-Fanelf am 23. Mai.

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