06.12.2013
Klubmagazin

Phantom-Toraberkennung! „Krise der Schiedsrichter noch nicht beendet“

Unsere Tradi-Mannschaft war beim Copa-Cup in Ober-Roden zu Gast.

Als sich am 02.11.2013 die Traditionsmannschaften zahlreicher Erst- und Zweitligisten zusammen-fanden, um am „Tag der Legenden“ den Copa-Business-Cup untereinander auszuspielen, lief für Eintracht Frankfurt zunächst alles nach Plan – bis die kuriose Fehlentscheidung eines Unpartei-ischen die Adler jäh aus dem Turnier schmiss.

Wenn es draußen langsam nass-kalt und trüb wird und der grimmige Herbstwind den Aufenthalt im Freien recht unwirtlich werden lässt, ist die Zeit des Budenzaubers gekommen. Und was gibt es schöneres, als im Rahmen eines Fußballturniers auf alte Freunde, Weggefährten und Gegner zu treffen? Der Copa-Business-Cup 2013 im Fußballpark Rödermark konnte auch dieses Jahr wieder mit einem beeindruckenden Lineup überzeugen: Neben der SGE waren die Traditionsmannschaften des 1.FC Köln, Borussia Dortmund, Bayern München, Hannover 96, 1860 München – und dem heutigen Gegner der 1. Mannschaft – Schalke 04, vor Ort. Dazu kamen eine Reihe Teams, die aus Ex-Profis, Sponsoren, Medienvertretern und Amateuren zusammengewürfelt waren.

Für die Adlerträger schnürten Thomas Sobotzik, Norbert Nachtweih, Andre Wiedener, Adi Dworschak, Thomas Lasser, Slobodan Komljenovic, Uwe Müller, Frank Gerster, Cezary Tobollik, Hansi Steinle und Clemens Appel die Schuhe. Das Teilnehmerfeld wurde in drei Gruppen à fünf Mannschaften eingeteilt, von denen sich der Erste und Zweite sowie die beiden besten Dritten fürs Viertelfinale qualifizierten. Gespielt wurde auf „eingenetzten“ Kunstrasenplätzen nach bewährten Hallenregeln.

Klarer Sieg im ersten Gruppenspiel

Im ersten Gruppenspiel traf die SGE auf COPA-Balleins. Das Team von Ausrichter Uwe Pöls trat mit einer Reihe junger und durchaus technisch versierter Amateure an, die den alten Herren der Ein-tracht einen ordentlichen Fight boten. Ein ums andere Mal musste Hansi Steinle mit Glanzparaden die frechen Angriffe des Gegners entschärfen. Doch die Eintracht ließ sich nicht verunsichern und spielte souverän ihre Klasse aus. Nach ausgeglichenen Anfangsminuten tankte Frank Gerster sich durch und erzielte die Führung, nur um wenig später mit einem Fernschuss noch einen drauf zu legen. Thomas Sobotzik, der den Abpraller eines eigenen Schusses im Nachsetzen versenkte und ein Doppelpack von Thomas Lasser besiegelten den vielleicht etwas zu deutlich ausgefallenen 5:0 Endstand. Der Gegner fand anerkennende Worte: „Wir hatten mehr Ballbesitz und einige gute Aktionen, aber die alten Hasen waren einfach cleverer und haben genau in den richtigen Momenten zugeschlagen“, sagte Njegoslav Klacar.

Nach dem hohen Sieg standen die Zeichen fürs Weiterkommen günstig. Entsprechend locker war die Stimmung in der Mannschaft. Ex-Eintrachtler Ansgar Brinkmann, der für Gruppengegner Sport1 am Ball war, ließ es sich nicht nehmen, bei den alten Kollegen vorbeizuschauen und sich angeregt mit Thomas Sobotzik zu unterhalten. „Heute geht´s aber um Sport, da kann auf die Freundschaft keine Rücksicht genommen werden“, zwinkerte der „weiße Brasilianer“ und ließ für das spätere Aufeinandertreffen bereits nichts Gutes erahnen. Auf die SGE wartete derweil mit der Auswahl Litauens ein Gegner, der sich einiges vorgenommen hatte. Ruppig ging es auf dem Feld zur Sache. „Das ist ein Spiel für Adi Dworschak“, scherzte Slobodan Komljenovic, der mit einem gekonnten Billard-Schuss über Bande die sehenswerte 1:0-Führung erzielte. Doch die Litauer steckten nicht auf, kamen verdient zum Ausgleich und hatten im Anschluss auch noch Glück, dass ein Pfostenschuss, der schon wieder auf dem Weg ins Feld war, mit Drall doch noch zurück ins Tor sprang und ihnen die 1:2-Führung bescherte. In einer heiß umkämpften Partie ging es anschließend hin und her, Thomas Sobotzik konnte noch ausgleichen, der Lucky Punch war jedoch den Litauern unmittelbar vor Schlusspfiff vorbehalten. Mit 2:3 mussten sich die Adler am Ende etwas unglücklich geschlagen geben. Die vielen kleinen Nickligkeiten waren auch hinterher noch Thema: „Man kennt das ja, es sind jedes Jahr auch Teams dabei, die meinen hier ginge es um die Weltmeisterschaft. Das war schon grenzwertig“, resümierte Andree Wiedener.

SGE unter Zugzwang

Vor dem Spiel gegen die Auswahl von Sport1, die mit Thomas Helmer, Stefan Schnoor, Ansgar Brinkmann, Michel Dinzey und Darius Kampa ebenfalls jede Menge Ex-Profis aufbot, war klar, dass man sich mit Blick aufs Weiterkommen keine Niederlage mehr leisten sollte. Der Gegner stapelte im Vorfeld tief: „Nur nicht zu hoch verlieren“, gab Ex-Nationalspieler Thomas Helmer bescheiden als Ziel vor. „Ich meine das ernst, wir haben gute Leute, aber wir sind nicht eingespielt. Da hat die Eintracht klare Vorteile.“ Dass das lediglich Understatement war, wurde auf dem Platz schnell deutlich. Schon nach wenigen Augenblicken luchste eben jener Thomas Helmer Eintracht-Verteidiger Andree Wiedener in vermeintlich sicherer Position das Leder ab und legte umgehend quer, so dass Ansgar Brinkmann nur noch einschieben musste. Und noch bevor sich die Eintracht sortieren konnte war es wieder Brinkmann, der den Ball im dritten Versuch mit großer Wucht zum 0:2 einbolzte.

Die SGE war nicht gewillt sich vorführen zu lassen und kam durch Thomas Lasser zum Anschlusstref-fer, bevor Michel Dinzey nach klasse Kombination den alten Abstand widerherstellte. Dann gab die Eintracht wieder Gas: Nach Vorlage von Adi Dworschak knallte Sobotzik einen fulminanten Dropkick diagonal in Kampas Gehäuse – 2:3. Die Eintracht hatte nun das Moment auf ihrer Seite und kam durch einen abgefälschten Schuss tatsächlich zum verdienten Ausgleich. Doch im Hallenfußball geht es gern ganz schnell und so war es Thomas Helmer, der mit einem präzisen Schuss aus dem Halbfeld das Team von Sport1 endgültig auf die Siegerstraße brachte. Als die Eintracht nochmal alles nach vorne warf, vernaschte Michel Dinzey Frank Gerster und sorgte für den 3:5 Endstand.

Endspiel ums Weiterkommen

Damit war klar, dass die Eintracht im letzten Gruppenspiel gegen Spitzenreiter 1860 München unbedingt gewinnen musste. „Noch ist alles möglich“, gab Thomas Sobotzik zu bedenken, während hinter ihm Olaf Marschall, Lothar Sippel und Olaf Thon fleißig Autogramme schrieben. Und dass Sobotzik das durchaus ernst meinte, zeigte er im letzten Spiel umgehend. Im Gerd-Müller-Gedächtnis-Stil besorgte er die frühe Führung für die Eintracht: Rücken zum Tor, schnelle Körperdrehung, 1:0! Und als Andree Wiedener kurz darauf auf 2:0 erhöhte, packten hinter dem Tor bereits einige den Taschenrechner aus. Denn selbst im Falle eines Sieges würde wohl am Ende die Tordifferenz über Wohl oder Wehe entscheiden. Allerdings legte 1860 einen Zahn zu und kam durch einen platzierten Fernschuss von Kult-Löwe Thomas Miller zum Anschlusstreffer. Die Eintracht geriet nun ordentlich unter Druck und Hansi Steinle hatte alle Hände voll zu tun. Insbesondere Edeltechniker Thomas Ziemer prüfte den Eintracht-Keeper ein ums andere Mal. Nach einigen Glanzparaden hatte Steinle dann gegen Ziemers linke Klebe das Nachsehen und es stand 2:2. Als die Löwen dann auch noch mit 2:3 in Führung gingen, schien alles gelaufen.

Die Eintracht wäre aber nicht die Eintracht, wenn sie nicht die unmöglichsten Dinge vollbringen wür-de. Nach feiner Einzelaktion lupfte Thomas Sobotzik den Ball unmittelbar vor die Torlinie, wo Adi Dworschak problemlos zum 3:3 einnicken konnte. Das Spiel stand nun auf des Messers Schneide, Großchancen von Nachtweih und Ziemer wurden vergeben, die Uhr lief unerbittlich gegen die Ein-tracht. Ein letzter Angriff musste die Entscheidung bringen und als die Situation schon geklärt schien, schoss Löwen-Keeper Hofmann den heranstürmenden Thomas Lasser derart unglücklich an, dass der Ball von Lassers Kopf aus wuchtig im Löwentor einschlug – in buchstäblich letzter Sekunde.

Rechenspiele & Phantom-Toraberkennung

Und dann ging das große Rechnen los. Da die Mannschaft von Sport1 gegen Team Litauen gewann, konnte sich die Eintracht dank der besseren Tordifferenz vorbei an den Litauern auf Platz drei schieben. Nun kam es darauf an, wie stark die anderen Gruppendritten abgeschnitten hatten. Der Konkurrent um das letzte Viertelfinalticket hieß Schalke 04. Aufgrund gleicher Punkte und einer Tordifferenz von je +3 musste als nächstes Kriterium die Anzahl erzielter Treffer herangezogen werden. Und da lag der Vorteil hauchdünn bei der Eintracht. Zufriedenheit in der Mannschaft ob des glücklichen Weiterkommens. Doch dann brachte die offizielle Bekanntgabe der Viertelfinalisten Ernüchterung: der FC Schalke 04 war weiter, die Eintracht draußen. Was war passiert?

Der Schiedsrichter hatte der Turnierleitung das Ergebnis des ersten Eintracht-Spiels mit 4:0 statt 5:0 gemeldet! Folglich fehlte der SGE in der Endabrechnung ein Treffer fürs Weiterkommen. Alle Proteste verliefen im Sand, der Schiedsrichter hatte seine Notizen bereits entsorgt und konnte sich beim besten Willen nicht mehr an das Ergebnis erinnern. Die Turnierleitung blieb trotz etlicher Zeugenaussagen bei der offiziellen Meldung, die sie als Tatsachenentscheidung interpretierte. Wenige Wochen nach Stefan Kießlings Phantom-Tor kam es so zu einer nicht minder kuriosen Phantom-Toraberkennung. Für die Traditionsmannschaft blieb nur der Gang unter die Dusche und der Wunsch, dass sich die 1. Mannschaft im Bundesliga-Heimspiel gegen den FC Schalke revanchieren möge. Norbert Nachtweih hatte derweil die passende Schlagzeile für die Leistung des Referees parat: „Krise der Schiedsrichter noch nicht beendet!“.

PS: Die Kicker des FC Schalke 04 mussten schon in der nächsten Runde die Segel streichen. Das Tur-nier gewann Titelverteidiger 1.FC Köln durch ein 7:1 gegen die ERGO Allstars. Herzlichen Glück-wunsch!

(Quelle: Stadionmagazin, 23.11.2013)

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