28.10.2014
Klubmagazin

Nachklapp: Tag der Legenden in Hamburg

Auch in diesem Jahr lockte der „Tag der Legenden“ wieder das geballte Who is Who der deutschen Bundesligaszene ans Hamburger Millerntor.

Bei der zehnten Benefizveranstaltung zugunsten der Nestwerk-Stiftung bekamen über 25.000 Zuschauer ein Jubiläums-Programm vom Feinsten geboten. Highlight war das packende Match zwischen Team Deutschland und der Auswahl ehemaliger HSV- und St. Pauli-Stars. Mittendrin statt nur dabei: Eintrachts Bundesliga-Rekordspieler Charly Körbel.

Ein Trikot mit der Rückennummer 602 sieht man im Fußball nicht alle Tage. Wer aber exakt so viele Bundesligaspiele in den Beinen hat, hat sich dieses Privileg mehr als verdient. Und so hatte Charly Körbel am 07. September dieses Jahres schon vor Anpfiff die Hingucker auf seiner Seite. Für das Eintracht-Urgestein war es der erste Auftritt beim „Tag der Legenden“ in Hamburg, der seit nunmehr zehn Jahren auf Initiative von Fernsehmoderator und Fußballkommentator Reinhold Beckmann stattfindet. Es sollte ein unvergesslicher Tag werden.

Angefangen hatte alles im Rahmen der ARD-Sendereihe zum 50. Jubiläum der Bundesliga. Beckmann hatte zu diesem Anlass viele illustre Gäste geladen, darunter auch Charly Körbel. Bei dieser Gelegenheit kam dann auch der Tag der Legenden 2014 zur Sprache. Beckmann fackelte nicht lange und schon zwei Tage später hatte Körbel die offizielle Einladung in den Händen. Der organisatorische Vorlauf für eine solche Mammutveranstaltung ist enorm. Nach fast einem Jahr der Planung fand am 22. Juli 2014, gut acht Wochen vor dem Tag X, in Hamburg die Pressekonferenz statt, bei der Körbel einen Vorgeschmack auf die kommenden Ereignisse bekommen sollte: „Das war aus meiner Sicht bereits großes Kino, aber die Veranstalter meinten, das sei nur der Anfang gewesen“, sagte er im Anschluss.

Der Kreis schließt sich am Millerntor

Und das war keine Übertreibung. Am 07. September eröffnete der zehnte „Tag der Legenden“ schon um 10:30 Uhr mit einem actiongeladenen Rahmenprogramm auf dem Heilgengeistfeld. Rund 10.000 Besucher machten Gebrauch von den zahlreichen Attraktionen und boten den Legenden zwei Stunden später einen Empfang, der einer Oscarverleihung würdig gewesen wäre. Lou Richter und Arnd Zeigler (Zeiglers wunderbare Welt des Fußballs) übernahmen die Moderation im Stadion und heizten den nunmehr 25.183 Zuschauern am Millerntor ordentlich ein. Ausgerechnet das Millerntor. Hier hatte sich Charly Körbel am vorletzten Spieltag der Saison 90/91 eine Gelbsperre eingehandelt, die seine Hoffnung auf einen großen Bundesliga-Abschied vor heimischer Kulisse im Waldstadion zunichtemachte. Nun also die Rückkehr an den Ort seines 602. Spiels als Profi für die Eintracht.

Die Legenden wurden namentlich aufgerufen und liefen paarweise aufs Feld. Charly Körbel betrat als letzter Spieler den Rasen – an der Seite von keinem geringeren als Michael Ballack. „Das war ein echter Gänsehaut-Moment. Für einen Augenblick hatte ich das Gefühl, mein 603. Bundesligaspiel zu bestreiten. Da schloss sich irgendwie der Kreis. Ballack kannte ich bis dato nur aus dem Fernsehen. Der ist nach wie vor in top Verfassung und menschlich einfach ein super Typ.“ Aber nicht nur das Kennenlernen vom „Capitano“ war für Körbel ein Highlight: „Ich habe viele alte Bekannte wiedergesehen, man nehme nur Horst Eckel, Franz Beckenbauer, Uwe Seeler, Jupp Heynckes, Kalle Riedle, Manni Kaltz, Olaf Thon, Thomas Berthold, Maurizio Gaudino, Thomas Doll und wie sie alle heißen. Da kamen viele schöne Erinnerungen hoch. Und auch die jüngeren Generationen anzutreffen mit Leuten wie Mario Basler, Carsten Jancker, Giovanne Elber, Fredi Bobic, Jens Nowotny und Arne Friedrich war einfach Klasse.“

Ein Hauch von Champions-League-Finale

Auf dem Rasen wurden aber alle Freundschaften für die Dauer des Spiels ruhen gelassen. Ehemalige Fußballer haben schließlich nichts von ihrem Ehrgeiz verloren und hier ging es ums Prestige. „Don Jupp“ Heynckes, der extra zu diesem Anlass sein Comeback auf der Trainerbank gab und gemeinsam mit Rainer Bonhoff Team Deutschland managte, stellte in seiner Kabinenansprache klar: „Natürlich geht es in erster Linie um den Spaß, aber eines sage ich euch: verlieren wollen wir hier nicht.“ Das galt natürlich auch für Team Hamburg, trainiert von Helmut Schulte und besetzt mit Legenden wie Richard Golz, Thomas von Heesen, Martin Driller oder Sergej Barbarez. Beide Mannschaften schenkten sich unter der Leitung von Schiedsrichterlegende Walter Eschweiler nichts, die erste Halbzeit endete 0:0 – auch dank der Abwehrarbeit von Charly Körbel: „Wir haben sie in der ersten Halbzeit müde gespielt“, lachte der 59-jährige, dessen Einsatz für Team Deutschland mit dem Abpfiff der ersten Hälfte beendet war.

Im zweiten Durchgang legten die Offensivabteilungen beider Mannschaften zwei bis drei Gänge zu und so entwickelte sehr zur Freude des Publikums noch ein wahres Torfestival. Michael Ballack eröffnete den Schlagabtausch mit seinem Treffer zum 1:0. Kurz darauf sorgte ein Eigentor sogar für die 2:0-Führung Team Deutschlands. Doch die Hamburger, die im Jahr zuvor noch als Sieger vom Platz gegangen waren, wollten das nicht auf sich sitzen lassen. Martin Driller, Ivan Klasnic und Thomas Meggle drehten die Partie binnen weniger Minuten. Das wiederum rief Carsten Jancker, Maurizio Gaudino und Arne Friedrich auf den Plan, die mit je einem Treffer den 5:3-Endstand herbeiführten. Ein würdiges Ergebnis für dieses Spektakel. Als Team Deutschland im Konfettiregen den Pokal entgegennahm und zu den Klängen der Siegerhymne seine Ehrenrunde drehte, wehte ein Hauch von Champions-League-Finale durch St. Pauli.

Showprogramm der Extraklasse in Schmidts Tivoli

Für die Legenden war der Tag damit aber noch längst nicht gelaufen. Nach einer kurzen Erholungspause im Hotel ging es fein rausgeputzt mit offenen Sightseeing-Bussen zum Kiez-Theater Schmidts Tivoli, das vom ehemaligen Pauli-Präsidenten Corny Littmann geleitet wird. Im Blitzlichtgewitter am roten Teppich begrüßte Moderator Jörg Wontorra die Legenden und die geballte Hamburger Szene stieß dazu, von Udo Lindenberg und Tim Mälzer über Olivia Jones und Monica Lierhaus bis hin zu Rafael van der Vaart. Das Medieninteresse war wie schon beim Spiel zuvor riesig und die Spieler genossen die Aufmerksamkeit der vielen Fans in vollen Zügen.

Das Programm am Tivoli war gespickt mit Comedy und Musik der Extraklasse. Besonders angetan war Körbel von Peter Maffay, der die Gäste ab Mitternacht für anderthalb Stunden musikalisch unterhielt: „Auch den kannte ich vorher nur aus dem Fernsehen. Ein unglaublich liebenswerter Mensch und musikalisch absolut hervorragend.“ Es brauchte eine Weile, bis Körbel die geballte Aneinanderreihung von Highlights an diesem Tag verarbeiten konnte. Auch über einen Monat später strahlen seine Augen, wenn er den Abend Revue passieren lässt: „Ich war in meiner Karriere schon bei vielen Veranstaltungen, aber diese toppt alles. Beckmann und sein Team schaffen eine unglaubliche Atmosphäre. Die Organisation ist spitze, alle sind freundlich und zuvorkommend. Kein Wunder, dass alle Top-Stars der Bundesliga gerne hinkommen. Ich frage mich, wie er das im nächsten Jahr übertreffen will. Und dass am Ende 250.000 Euro für die Jugendhilfe der Nestwerk-Stiftung übriggeblieben sind, ist einfach überragend.“

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