01.10.2012
Traditionsmannschaft

Michael Anicic – Ich kann mich nur bei Eintracht Frankfurt und Charly Körbel bedanken

Schon in der E-Jugend schnürte er die Fußballschule für unsere Eintracht. Michael Anicic durchlief alle Jugendmannschaften und schaffte den Sprung zum Profi. Doch schwere Verletzungen warfen ihn leider immer wieder zurück. Insgesamt kam er auf 35 Bundesligaspiele für die Eintracht und erzielte dabei fünf Tore. Im Interview über den Sprung zum Profi, seine Zeit in Freiburg und die Traditionsmannschaft steht er uns Rede und Antwort.

Hallo Michael, schon in der Jugend ging es zur Eintracht, wie kam es dazu?

Meine Fußballkarriere habe ich in jungen Jahren bei der SG Westend Frankfurt begonnen. Kurzzeitig war ich sogar Torwart, aber mein Drang nach vorne war zu groß, da war ich ruckzuck Feldspieler. Wenige später in der E-Jugend kam es zu einem Spiel gegen die Eintracht. Dort habe ich ein sehr gutes Spiel abgeliefert und darauf wurden meine Eltern angesprochen, ob ich nicht zur Eintracht wechseln möchte.

Von da an hast Du alle Jugendmannschaften durchlaufen, wann hast Du den Sprung in den Profi-Kader geschafft?

Charly Körbel war damals mein Trainer in der A-Jugend, gleichzeitig auch mein Förderer und Unterstützer. Er hatte dann den damaligen Profi-Trainer Dragoslav „Stepi“ Stepanovic auf mich aufmerksam gemacht. Stepi beobachtete darauf im Oktober 1992 ein Spiel von uns und anschließend lud er mich zum Profi-Training ein. Das war für mich ein erster prägender Moment. Einfach unglaublich, dass ich mit den Profis mittrainieren durfte. Damals hatten wir ja eine sehr namenhafte Mannschaft.

Welche Erinnerungen hast Du an dein Bundesliga-Debüt?

Dieses Spiel werde ich niemals vergessen. Am 6. März 1993 habe ich mein Bundesliga-Debüt gegen Bayern München gegeben. Ich war eigentlich noch A-Jugend Spieler und es war für mich ein unglaubliches Spiel, auch wenn wir 1:0 verloren haben.

Welche positiven und negativen Seiten hast du bei der Eintracht erlebt?

Natürlich gab es auch negativen Seiten. Der Presse-Rummel um mich, war relativ groß. Gegenüber den Medien habe ich einfach zu viel zugelassen. Damit konnte ich zu Beginn nicht umgehen. Dann kamen auch noch drei schwere Verletzungen dazu. Aber unabhängig davon hat meine Zeit bei der Eintracht meine Karriere geprägt. In Frankfurt war ich zu Hause, meine Freunde waren hier. Und dann durch alle Stationen des Vereins zu spielen, von der Jugend bis zu den Profis, das ist etwas ganz Besonderes. Dafür kann ich mich nur bei Eintracht Frankfurt und Charly Körbel bedanken.

Diesen „Durchmarch“ von der Jugend bis in den Profi-Kader schaffen bei einem Verein nur Wenige. Woran liegt das aus deiner Sicht?

Eigentlich denke ich, dass es heutzutage einfacher geworden ist Profi zu werden. Weil das gesamte Netzwerk viel größer geworden ist, der Nachwuchsbereich ist professionalisiert. Es gibt bspw. Scouting-Agenturen oder Spielervermittler. Auch hat heute jeder Verein ein Internat zur Förderung. Damals hatten wir viele ältere Spieler im Kader und als junger Spieler war es relativ schwierig dort reinzukommen. Da musste man schon ein überdurchschnittliches Talent haben. Außerdem brauchte man einen Trainer, wie Stepi damals, der die jungen Spieler gefördert und ins kalte Wasser geschmissen hat. Aber ein Patent für den Sprung in den Profi-Bereich gibt es nicht. Man muss unheimlich fleißig sein, ein gewisses Talent haben und dann gehört auch Glück dazu. Außerdem bedarf es auch einen gewissen Verzicht, gerade wenn man als 18-Jähriger vielleicht lieber in die Disko gehen möchte. Solche Dinge muss man zurückschrauben, wenn man was erreichen will.

Wie war das bei Dir in den jungen Jahren?

Mein Wunsch Profi zu werden war so groß, dass ich immer auf alles verzichtet habe. Natürlich haben bei mir viele Sachen einfach zusammengepasst, die ich auch eben aufgezählt habe. Fleiß und Wille spielen eine große Rolle, dann wird man auch irgendwann dafür belohnt.

Du hast kurze Zeit auch beim heutigen Gegner, dem SC Freiburg, gespielt. Wie hast Du die Zeit erlebt?

Sie war deshalb schon prägend, weil dort meine Tochter zur Welt gekommen ist. Aber auch die Art und Weise wie Volker Finke mit den Spielern umgegangen ist, war großartig. Dort herrschte eine sehr familiäre, herzliche Atmosphäre. So etwas habe ich in meiner gesamten Karriere nirgends erlebt. Dort sind die Spieler geschützt, es wurde alles für die Spieler getan und auch untereinander haben sich die Spieler viel geholfen. Freiburg liegt ja auch unheimlich idyllisch an der Dreisam, dort zu leben ist traumhaft. Leider habe ich mich in dieser Zeit zum fünften Mal schwer am Knie verletzt. Der Fußball den sie spielen, dieses Kurzpass- und schnelle Spiel, die Handschrift von Volker Finke, ist ja auch bis heute so geblieben.

Verfolgst Du die Entwicklung von Freiburg oder deiner anderen Vereine auch heute noch?

Klar, man schaut immer gerne zu den Vereinen. Natürlich wechseln die Spieler und Verantwortlichen immer wieder. Aber dort, wo ich mich wohlgefühlt habe, blicke ich immer wieder auf aktuelle Geschehnisse oder Entwicklungen und schaue, was mein alter Verein oder meine alten Mitspielen machen.

Auch bei der Traditionsmannschaft triffst Du auf ehemalige Spezies, was bedeutet dir das?

Ich bin ja schon recht früh zur Tradi-Mannschaft gestoßen, da war ich selbst noch aktiv. Vor ca. sieben Jahren kam der Kontakt durch Charly zu Stande und ich bin unglaublich stolz in der Truppe zu spielen. Wir haben große Persönlichkeiten in der Mannschaft, die den Verein auch geprägt haben oder auch selbst bei anderen großen Vereinen gespielt haben. Bestes Beispiel ist hier Norbert Nachtweih, den ich früher bei Bayern bewundert habe und jetzt fahren wir immer zusammen zu den Spielen. Ich freue mich jedes Mal mit der Traditionself zu spielen und überall, wo wir hinkommen, herrscht große Begeisterung. Ich kann es nur jedem raten, der seine Profi-Karriere beendet, immer wieder in die Traditionsmannschaft zukommen. Es macht so viel Spaß.

Du bist regelmäßiger Top-Torschütze der Traditionself, woher kommt dein „Killerinstinkt“?

Ich denke, im Moment ist es ein Mix aus Erfahrung und Ehrgeiz. Wenn ich auf den Platz gehe, möchte ich immer alles geben und möglichst viele Tore schießen. Natürlich bin ich auch noch ein Tick jünger als viele Andere. Aber ich bekomme vom Tore schießen nie genug. Wenn ich schon drei Tore geschossen haben, will ich auch ein Viertes schießen und immer mehr. Aber der Spaß steht klar im Vordergrund. Und da haben wir eine gute Mischung, wir ergänzen uns im Team sehr gut.

Wie hast Du den Saisonstart der Eintracht erlebt und was erwartest Du vom Spiel gegen den SC Freiburg?

Ich glaube, dass es ein gutes Spiel werden wird, auf einem technisch sehr hohen Niveau. Mir gefällt im Moment einfach die Entwicklung der Eintracht unter Armin Veh. Das erinnert mich auch ein bisschen an früher, an die „goldene Generation“, die wir damals hatten. Von der verpassten Meisterschaft 1992 bis fast 1995, wo technisch hervorragender Fußball gespielt wurde. Auch mit viel Ballbesitz, offensiv ausgerichtet und mit dieser Unbekümmertheit, wie wir sie jetzt sehen. Wenn ich Zeit habe, gehe ich sehr gerne ins Stadion. Es macht einfach Spaß zuzuschauen. Die Fans in Frankfurt haben das auch verdient. Insgesamt ist die Eintracht hundertprozentig auf einem richtigen Weg. Mit der jetzigen Euphorie muss man aber auch aufpassen. Man kennt es in Frankfurt, in der einen Woche sind wir Champions League, in der anderen Woche Absteiger. Im Normalfall wird man sich nicht so einfach unter den ersten fünf halten können. Aber die Mannschaft hat großes Selbstvertrauen, mal sehen, was möglich ist.

Wie lautet dein Tipp?

Mein Herz schlägt am Stärksten für die Eintracht, ich bin ein Frankfurter Junge und da ist es für mich ganz klar, dass wir auch gewinnen. Ich tippe auf einen 3:1-Sieg.

Zum Abschluss, was machst Du heute beruflich?

Ich bin Trainer der D-Jugend beim SV Fischbach. Darüber hinaus habe ich meine eigene Fußballschule. Außerdem biete ich verschiedene Fußball-AGs an verschiedenen Schulen an. Demnächst werde ich auch noch ein Fördertraining anbieten. Also ich bin komplett im Bereich Fußball geblieben und versuche den Kids das zu vermitteln, was ich auch genießen konnte. Das macht unheimlich viel Spaß. Die Kids trainieren gerne und lernen schnell.

D.h. du bleibst auch erstmal im Nachwuchsbereich?

Demnächst werde ich die A-Lizenz machen und ich schließe nicht aus, auch wieder eine Senioren-Mannschaft zu übernehmen. Aber das Fundament und die Perspektive müssen stimmen. Alles in allem bin ich sehr glücklich, so wie es im Moment ist.

Ein herzliches Dankeschön an Michael Anicic für das ausführliche Gespräch und alles Gute für die Zukunft! Wir freuen uns auf viele weitere Spiele mit ihm und der Traditionsmannschaft.

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