10.12.2012
Klubmagazin

Krämer & Friz: Die beste Bremer Abwehr

Zwei unserer Tradi-Spieler ist eine Begegnung gegen Werder Bremen noch lange in Erinnerung geblieben. Am 15.03.1986 bildeten Harry Krämer und Holger Friz das Sturmduo unserer Eintracht. Doch zu einem Sieg reichte es auf Grund gewisser Vorkommnisse leider nicht. Wir haben uns mit beiden über ihre Anfangsjahre, Werder Bremen und Eintracht Frankfurt unterhalten.

Hi Harry und Holger, sowohl in der B-Jugend als auch in der A-Jugend wurdet ihr deutscher Meister. Ihr hattet eine richtig starke Truppe?!

Krämer: Ja, absolut. In den vier Jahren in der B-/A-Jugend haben wir lediglich ein Spiel verloren. Das waren schon außergewöhnliche Spieler, wie Thomas Berthold, Uwe Müller, Hans-Jürgen Gundelach, Mike Kahlhofen oder Hans-Peter Boy. Und Holger als jüngerer Jahrgang darf man natürlich auch nicht vergessen.

Friz: Da hast du ja gerade nochmal die Kurve gekriegt (lacht). Wir waren schon eine tolle Truppe. Und zu dieser Zeit war die Jugend der Frankfurter Eintracht sehr erfolgreich und konnte viele Titel einfahren.

Die meisten von Euch haben dann auch den Sprung zu den Profis geschafft.

Krämer: Das stimmt. Später stieg nahezu der komplette Kader zu den Amateuren auf. In der damaligen Oberliga, welches die dritte Liga war, haben wir Jungen uns gut präsentiert. Vielen gelang dann auch der Sprung zu den Profis.

Friz: Ja, unser Glück, aber auch das Glück der Eintracht war zu der Zeit, dass man sich in einer schwierigen finanziellen Lage befand und so auch auf die Jugend gesetzt hat.

Wann habt ihr euer erstes Bundesligaspiel absolviert?

Krämer: Nach der A-Jugend Meisterschaft bekamen gleich drei bis vier Spieler die Möglichkeit mit den Profis ins Trainingslager zu fahren. Ich hatte im Finale die beiden Tore geschossen und sollte auch mit. Ich bin dann aber erst mal in den Urlaub (lacht). Über die Amateure kam ich dann zu den Profis. Meinen ersten Einsatz hatte ich beim Pokalspiel gegen Göttingen im Sommer 1983, welches wir aber leider 4:2 verloren haben. Somit ging der Einstand direkt in die Hose. Mein erstes Bundesligaspiel machte ich dann gegen Bayer Leverkusen, dort wurde ich eingewechselt. Das erste Tor gelang mir gegen Bielefeld.

Friz: Da verlief mein Debüt erfolgreicher (grinst). In der Saison 1984/85 wurde ich gegen Borussia Dortmund eingewechselt und habe mitgeholfen das 2:1 über die Zeit zu bringen. Meine ersten beiden Tore schoss ich gegen Fortuna Düsseldorf. Der Doppelpack reichte aber leider nicht zum Sieg. Am Ende stand es trotz Führung 2:2.

Erzählt mal von dem legendären Spiel gegen Werder Bremen 1986, welches ihr mit 0:2 verloren habt. Was war da los mit dem Sturmduo Krämer/Friz?

Friz: (lacht). Es war ein sehr kurioses Spiel, was es in der Form auch nur einmal gegeben hat. Die Zuschauer hatten öfters den Torschrei auf den Lippen. Doch leider standen Harry und ich uns mehrere Male im Wege. Wir hätten wohl auch noch Stunden weiterspielen können, an diesem Tag wollte der Ball einfach nicht ins Tor.

Krämer: (lacht). Stimmt, es gab zwei kuriose Szenen in denen wir uns im 5er oder 16er angeschossen haben, was im Normalfall zu einem Tor geführt hätte. Der Torwart war schon in der verkehrten Ecke gelegen, nur einer von uns stand immer im anderen Eck und hat so das Tor verhindert. Wir wurden dann als beste Bremer-Abwehr betitelt und auch die Zuschauer waren begeistert von der Leistung (lacht).

Da hat euch wohl an dem Tag die Harmonie gefehlt.

Friz: Absolut, etwas ähnliches ist auch nie mehr vorgekommen. Dieser eine Tag war unglaublich und bleibt unvergesslich. Ansonsten haben wir eigentlich immer gut harmoniert, da wir auch unterschiedlicher Spielertypen waren.

Eure Statistik gegen Werder Bremen ist auch nicht die Beste: Nur ein Unterschieden sprang raus, sonst nur Niederlagen.

Friz: Nicht die Beste ist sehr nett ausgedrückt. Die Statistik ist die reine Katastrophe (lacht).

Krämer: Ja, Bremen zählte wohl nicht zu unseren Lieblingsgegner (lacht). Es waren dennoch immer enge und knappe Spiele. Leider mit dem schlechteren Ausgang für uns.

Habt ihr noch andere Verbindungen zu Bremen?

Krämer: Ich wäre fast mal bei Werder Bremen gelandet. Unter Otto Rehhagel war ich eine Woche im Probetraining.

Friz: Als Abwehrspieler oder Stürmer (lacht)!?

Krämer: Da bin ich mir auch nicht sicher (lacht). Aber Bremen-Stürmer Frank Neubarth hatte sich schwer verletzt und es war zunächst nicht klar, ob er wieder fit werden würde. Ich sollte ihn ersetzen.

Friz: Stimmt mit deiner Kopfballstärke hätte das, im Gegensatz zu mir, gepasst.

Krämer: Ja, die Woche hatte ich auch ein gutes Gefühl und gut trainiert. Aber dann konnte der Verein doch nicht garantieren, dass ich regelmäßig spielen würde. Auch Neubarth war wieder auf einem guten Weg. Daraufhin hatte sich der Wechsel zerschlagen. Aber Bremen hat mir trotz allem gefallen. Nur für meine Haare wäre es dort oben etwas windig (lacht). Spaß beiseite, Bremen hatte gute Mannschaften, die konnte man sich immer anschauen. Gerade im Europacup erinnere ich mich an ein paar richtige Highlights, wo sie zunächst Auswärts hoch verloren haben und dann im Heimspiel eine Aufholjagd starteten.

Eure Wege haben sich dann erst mal getrennt. Harry, du bist nach Österreich zu Sturm Graz gewechselt. Wie war die Zeit in Österreich?

Krämer: Gerade das erste Jahr in Graz war überragend. Damals wurde ich Dritter der Torschützenliste. Leider wurde ich immer wieder von Verletzungen am Knie und an der Schulter eingeholt. Rate mal wer unter Anderem als Ersatz vorgesehen war?

Sag bloß, du Holger?

Friz: Richtig, ich war zum Probetraining dort. Aber dann hat sich der Verein für den Bruder – glaube ich – von Diego Maradona entschieden (lacht). Ansonsten hätten sich unsere Wege wieder gekreuzt.

Krämer: Bruno Pezzey bin ich dort aber wieder begegnet. Er war U21-Trainer in Österreich. Leider ist er viel zu früh verstorben. Bruno war ein ganz feiner Kerl und großartiger Kicker. Er hatte immer ein Lächeln auf den Lippen. Es hat großen Spaß gemacht mit ihm zu spielen und auch neben dem Platz war er ein super Typ.

Verfolgst du die Österreichische Liga noch heute?

Krämer: Ja, über Sky schaue ich mir nach der Bundesliga immer mal wieder Spiele an. Jedoch besteht ein großer Unterschied zwischen den beiden Ligen. Besonders wenn man vorher ein Bundesligaspiel gesehen hat und schaut sich dann eins in Österreich an. Das ist schon hart (lacht).

Wie schätzt ihr die aktuelle Lage beider Mannschaften ein?

Krämer: Werder Bremen hat eine gute Mannschaft, die vier bis fünf Punkte mehr haben könnten. Ich denke, dass es ein gutes Spiel werden wird. Die Eintracht spielt immer nach vorne, wohl auch, weil die Abwehr nicht so sattelfest ist. Die Flucht nach vorne und das Fernhalten des Balls vom eigenen Tor sind da wohl das Beste (lacht). Diese Spielweise sollte sie auch beibehalten. Wenn sie damit mal eins auf die Mütze kriegen, ist das auch ok.
Derzeit macht es einfach Spaß der Mannschaft zuzugucken. Auch wenn es mal nicht rundläuft, wie in dem Spiel gegen Fürth, dass man eigentlich verlieren muss, dann holen sie trotzdem einen Punkt. Vermutlich werden wir auch noch ein paar solche Spiele sehen.

Friz: Der Saisonverlauf ist bisher sehr überzeugend und angenehm. Es ist schön die Tabelle mal von oben zu betrachten. Man darf jetzt aber nicht an die Rückrunde die höchsten Ansprüche stellen. So langsam ist nach dem furiosen Start auch wieder der Alltag eingekehrt. Jedoch hat die Mannschaft mehr Stabilität, als die letzten Jahre. Wenn die Mannschaft unter den ersten 10 landet und nicht weiter runterrutscht, wäre das ein super Ergebnis. Wir sollten auch weiterhin nicht überheblich sein und auch im Umfeld nicht an utopische Sache denken.

Wie lautet euer Tipp für das Spiel?

Krämer: 3:2 für die Eintracht. Ein offener Schlagabtausch würde mir gefallen. Die Bremer haben auch nicht die beste Abwehr. Es wird ein intensives Spiel, sie werden ordentlich powern, da können auch Fehler passieren.

Friz: Ich denke in eine ähnliche Richtung und lege mich mal auf einen 3:1-Sieg fest.

Ihr seid auch für die Tradi-Mannschaft aktiv. Wie lautet eurer Rundenfazit?

Friz: Es ist immer schön mit der Tradi-Mannschaft zu spielen und macht unglaublich viel Spaß. Auf den Spielen lernt man viele nette Leute kennen und an den Orten ist es immer sehr angenehm. Außerdem tut uns auch die Bewegung richtig gut (lacht).

Krämer: Ich kann mich da nur anschließen. Für die Traditionself am Ball zu sein ist immer eine große Freude. Die alten Jungs wieder zu treffen macht einfach Spaß. Dieses Jahr habe ich ungefähr die Hälfte der Spiele mitmachen können. Letztens habe ich festgestellt, dass ich bei der Tradi-Mannschaft die meisten Tore immer in den Sommermonaten Juni und Juli geschossen haben. Zu blöd, dass in meiner Hochzeit zu meiner aktiven Zeit immer Sommerpause gewesen ist (lacht).

Wir bedanken uns ganz herzlich bei Harald Krämer und Holger Friz für das Gespräch und wünschen den Beiden alles erdenkliche Gute.

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