21.03.2016
Traditionsmannschaft

Im Auftrag seiner Eintracht

Am 9. März feierte Eintracht-Ikone Bernd Hölzenbein seinen 70. Geburtstag. Im Namen der Traditionsmannschaft gratulieren seine Weggefährten Charly Körbel, Ronny Borchers, Norbert Nachtweih und Wolfgang Trapp.

Charly Körbel

Je länger ich über diesen Geburtstagsbeitrag nachgedacht habe, umso klarer ist mir geworden: Eigentlich war Bernd Hölzenbein früher ein Typ wie James Bond*. Natürlich ohne das Image eines Playboys. Aber gemeinsam mit 007 hatte „Holz“ den Tick für neueste Technik. Was hat er in den Siebzigerjahren nicht alles angeschleppt: zum Beispiel eine seinerzeit kiloschwere Videokamera für unsere Reisen. Auch eine Telefonanlage war dabei. Und ein Kugelschreiber mit Geheimfach für Spickzettel. Fast wie bei James Bond.

Genau schießen konnte Bernd sowieso! Konstant hat er viele Tore erzielt. Diese Schlitzohrigkeit – und auch da gibt es Parallelen zum Geheimagenten Ihrer Majestät. Dieses Näschen! Auf dem Rasen ein „Schleicher“: Jederzeit genau die Lage beobachten – dann zuschlagen. Wie Ende 1979 im UEFA-Pokal gegen Dinamo Bukarest. Die Lage für die Eintracht war prekär wie in unzähligen Szenen für Bond. Wir waren fast ausgeschieden. Doch dann bringt uns Bernd mit seinem legendären Sitzkopfballtor in letzter Sekunde doch noch in die Verlängerung!

Er hat exakt zu Spielertypen wie Jürgen Grabowski und Bernd Nickel gepasst. Mensch, sind die gut! Meine Gedanken, als ich zur Eintracht kam. „Holz“ stammt aus Dehrn nahe Limburg. Dort besaßen seine Eltern ein Busunternehmen. So fuhren viele Fans mit „Hölzenbein“ zu unseren Heim- und Auswärtsspielen. Bernd musste jede Menge Eintrittskarten besorgen. Einmal wurde er wegen eines Topzuschlags beim Derby gegen Kickers Offenbach aber nicht alle los. Also hat er die letzten Tickets – schon im Trikot, mit Stutzen und Fußballschuhen – kurz vor dem Spiel am Waldstadion verkauft. Muss man sich heute mal bildlich vorstellen.

Gut zu wissen, dass Bernd auch heute noch mit seiner Erfahrung als Chefscout und Berater des Vorstands unserem Verein zur Seite steht, dessen Vizepräsident und Manager er war. Nicht nur als Profi mit der Lizenz zum Toreschießen hieß es für ihn immer: im Auftrag seiner Eintracht! Hoffentlich noch auf viele Jahre!

*Diese Würdigung von „Charly“ Körbel für Bernd Hölzenbein ist auch im offiziellen „Bundesliga-Magazin“ der DFL erschienen.

Ronny Borchers

Bernd war als Spieler ein gnadenloses Schlitzohr. Egal, ob im WM-Finale 74 oder als er im UEFA-Pokal den entscheidenden Kopfball in der letzten Sekunde gesetzt hat und natürlich durch die vielen Tore, die er für die Eintracht gemacht hat: Er war immer ein Mann für die entscheidenden Spiele. All diese Fakten sprechen für sich. Darüber hinaus ist er ein ganz lieber, zurückhaltender Mensch, worüber ich schon ab und zu schmunzeln musste, weil ich mir gar nicht vorstellen konnte, dass ein Mann mit einer solchen Vergangenheit und Präsenz so zurückhaltend sein kann.

Man gebraucht heute sehr schnell den Begriff der Legende. Wenn aber so viele Spieler Legenden sind, dann ist der Bernd ganz sicher eine Oberlegende der Eintracht. Er war ein absoluter Führungsspieler. In seiner Art zwar zurückhaltend und doch dominant auf dem Platz. Wenn er den Ball hatte, dann wussten wir alle, der ist sicher. Den Holz konntest du vorne anspielen und wupp, der Ball hat einfach geklebt, du konntest sorglos von hinten aufrücken, das war extrem wichtig für uns.

Lieber Bernd, ich wünsche dir zum Geburtstag vor allem viel Gesundheit und dass du auch weiterhin sehr viel Freude mit deiner ganz tollen und lieben Familie hast.

Norbert Nachtweih

Ich habe den Holz 1976 nach meiner Flucht aus der DDR kennengelernt, als ich erstmals mit der Eintracht am Riederwald trainiert habe. Als Weltmeister war er auf jeden Fall eine Respektsperson. Später  habe ich längere Zeit mit ihm ein  Zimmer geteilt und ihn so auch privat ganz gut kennengelernt. Obwohl er diesen Rang hatte, hat er sich uns jungen Spielern gegenüber nie aufgeblasen, sondern immer einen guten Draht gepflegt. Auf dem Feld war er oft der unsichtbare Dritte: Den hast du nicht gesehen, auf einmal war er da und ist am Ball explodiert und hat unglaublich effektiv gespielt. So, wie wir uns privat verstanden haben, haben wir auch zusammen gespielt. Das lief absolut super. Für die Eintracht ist Bernd Hölzenbein natürlich ein Symbol, gleichzusetzen mit Jürgen Grabowski. Seine Rolle in all den Jahren war herausragend.

Lieber Bernd, ich wünsche mir, dass wir uns in 10 Jahren noch genauso fit wiedersehen. Mit 70 hast du jetzt ein glorreiches Alter vorgelegt, aber ich gehe ja auch schon auf die 60 zu. Du hast dich super gehalten.

Wolfgang Trapp

Bernd ist ein überragender Typ. Ronny Borchers, Norbert Nachtweih und ich sind ja als ganz junge Spieler in den Kader gestoßen und er hat uns sensationell aufgenommen, als wären wir schon ewig dabei gewesen. Er war damals schon Weltmeister, hatte aber keinerlei Starallüren, im Gegenteil, er hat uns geholfen, wo er nur konnte und war für jeden Spaß zu haben. Ich schätze seine offene und ehrliche Art und wie er sich schon damals um die Belange seiner Kameraden gekümmert hat. Und als Fußballer war er natürlich sensationell, ein Garant für Siege. Für uns war es eine absolute Ehre, in der damaligen Mannschaft spielen zu dürfen, mit den Weltmeistern Grabowski und Hölzenbein, mit Bruno Pezzey, mit Willy Neuberger und Bernd Nickel und wie sie alle geheißen haben. Holz ist noch heute eine absolute Identifikationsfigur und ein Aushängeschild. Ich finde es sehr gut, dass er, der sich um die Eintracht so verdient gemacht hat, auch entsprechend eingebunden wird.

Ich wünsche dir alles erdenklich Gute zum Geburtstag, viel Gesundheit für dich und deine Familie, und dass du so bleibt wie du bist.

0 Artikel im Warenkorb