25.09.2014
Aktuelles

Harte Nuss im kalten Regen

Eines der letzten Rasen-Spiele in diesem Jahr führte unsere Traditionsmannschaft tief in den Süden Deutschlands.

Zum Abschluss des Fußballschulen-Camps in Langenargen trafen unsere „Goldies“ auf eine Ü-35-Bodensee-Auswahl – und bekamen beim 7:5-Sieg nicht nur metaphorisch reichlich Gegenwind.

Unsere Traditionsmannschaft ist weite Auswärtsfahrten gewohnt. Zur aktiven Zeit mussten die Spieler teilweise ganz Europa bereisen um bei ihren Gegnern antreten zu können. Und auch nach der Karriere gibt es immer wieder besondere Anlässe, für die unsere Veteranen kilometerlange Wege auf sich nehmen. Das „Kaufland-Camp mit Unterstützung von Landliebe“ war ein solcher. Drei Tage lang gastierte die Eintracht Frankfurt Fußballschule in Langenargen am Bodensee um 80 Kinder mit einem Profi-Trainingscamp zu erfreuen. Das Spiel der Traditionsmannschaft stellte das Sahnehäubchen der Veranstaltung dar. Joachim Jüriens, Hansi Steinle, Charly Körbel, Manni Binz, Ronny Borchers, Thomas Lasser, Oka Nikolov, Wolfgang Trapp, Norbert Nachtweih, Patrick Falk, Rudi Bommer, Holger Friz, Uwe Müller, Oscar Corrochano, Frank Gerster, Clemens Appel und Gerry Mai stellten das Aufgebot der Eintracht.

Die Rollen waren wie immer klar verteilt: Die ehemaligen Profis waren die haushohen Favoriten, die Herausforderer gingen als motivierte Underdogs ins Rennen. Tiefstapeln und Frotzeln vor dem Spiel durften nicht fehlen: „Wir wollen nicht gerade 20:0 verlieren. Wenn wir ein paar gute Aktionen auf die Reihe bekommen, bin ich schon zufrieden. Die Leute erwarten vor allem von den Frankfurtern etwas, für uns gilt es vor allem Spaß zu haben“, gab etwa Joachim Vogel vom TSV Eriskirch, einem Nachbardorf von Langenargen, den Ton vor. Etwas forscher zeigte sich sein Teamkollege Martin Vogelgesang vom Gastgeber FV Langenargen im Spaß: „Wir haben im Vorfeld intensive Videoanalysen betrieben um alle Stärken und Schwächen des Gegners zu kennen. Wir werden ihre besten Männer zustellen und dann machen sie keinen Stich mehr. Wir gewinnen 6:3.“

Jüriens im Stile Manuel Neuers

Trotz des kalten Dauerregens, der in der Nacht zuvor eingesetzt hatte, fanden doch erfreuliche 200 Zuschauer den Weg zum Spiel und sahen angriffslustige Gastgeber: Nach dem symbolischen Anstoß durch Werner Dillmann und Hauptamtsleiter Klaus-Peter Bitzer, prüften die Süddeutschen bereits nach wenigen Sekunden Joachim Jüriens im Tor der Adlerträger. Kurz darauf musste der Eintracht-Keeper in höchster Not ein Laufduell per Grätsche für sich entscheiden – Manuel Neuer ließ grüßen. Die Zuschauer quittierten die Aktion mit Szenenapplaus. Und auch in der 7. Minute musste Jüriens eingreifen, als er eine Eins-gegen-eins-Situation gerade noch für sich entscheiden konnte.

Die Eintracht hatte bis dahin mehr Ballbesitz, aber keine nennenswerte Offensivkraft. Im Stile einer Handballmannschaft lief das Bällchen hin und her, die Gastgeber waren näher am Führungstreffer. Den machte dann aber doch die SGE: Über die linke Seite kam das Leder von Trapp und Nachtweih zu Bommer, der steil in den Strafraum spielte. Eigentlich schien der Ball ein sicheres Fressen für Günther Noll im Tor der Hausherren, trotzdem rannte Körbel an, warf sich in den Pressschlag und entschied diesen für sich. Der Ball trudelte dann irgendwie rein (9.). Dass es nicht sein schönstes Tor war, konnte ihm in dem Augenblick ebenso egal sein, wie der Schmerz des Zweikampfs, der ihn ein wenig humpeln ließ.

Binz hat nichts von seiner Zweikampfstärke verloren

Mit der Führung im Rücken versuchte die Eintracht mit Körpereinsatz und Klasse aufzutrumpfen: Erst räumte Manni Binz unter dem raunen der Zuschauer seinen Gegenspieler robust um, dann löste Borchers eine heikle Situation in Strafraumnähe mit Hacke und Außenrist. Ein Kuriosum hätte beinahe das 2:0 besorgt: Binz schickte Nikolov – heute als Feldspieler unterwegs – über die rechte Außenbahn, dessen scharfe Hereingabe lenkte ein Verteidiger unglücklich am eigenen Torwart vorbei in Richtung Tor. Nur eine beherzte Grätsche konnte den Ball auf der Linie noch an den Innenpfosten lenken, von wo aus ein anderer Verteidiger klären konnte.

Die Eintracht ließ es dann ein wenig gemütlich angehen, in der Folge kam die Bodensee-Auswahl zu besten Chancen. Erst hatten sie noch ein wenig Pech, als ein Faustball über die Handschuhe von Jüriens rutschte und beinahe im eigenen Tor gelandet wäre, dann fiel tatsächlich der Ausgleich durch Achim Vogel (16.). Der Eriskirchner wurde am linken Pfosten mustergültig freigespielt und musste nur noch einschieben. Die Traditionsmannschaft geriet nun ordentlich ins Schwimmen. In der 21. Minute misslang die Abwehrfalle, erneut war es Achim Vogel der in zentraler Position völlig freigespielt war und souverän zum 1:2 einnetzen konnte.

Lasser und Falk mit schulmäßiger Zusammenarbeit

Nun waren unsere „Goldies“ gefordert. Offenbar hatten sie ihre Gegner ein wenig unterschätzt. Die Offensivbemühungen der Adler waren viel zu behäbig, der Rückstand ging zu diesem Zeitpunkt völlig in Ordnung. Mit ein wenig mehr Konzentration hätten die Herausforderer sogar noch höher führen können. Vielleicht war es doch der eiskalte Gegenwind, der die Aktionen der Eintracht lähmte. Ausreden galten aber nicht und so gab die Eintracht etwas mehr Gas. Die Resultate ließen nicht lange auf sich warten: Falk drang dynamisch in den Strafraum, legte quer zu Holger Friz und der konnte problemlos einschießen – 2:2. Und die SGE blieb am Drücker: Erst zwang Bommer mit einem strammen Schuss den gegnerischen Keeper zu einer Glanzparade, dann hatte Friz nach Zuspiel von Falk die Führung auf dem Fuß. Die war dann nur noch eine Frage der Zeit. Der agile Falk wurde immer mehr zum Aktivposten, tankte sich mit einem herrlichen Solo durch den Strafraum, umkurvte auch noch Günther Noll und schon war die Ordnung wiederhergestellt.

Kurz vor Ende der ersten Halbzeit machten Lasser und Falk in lehrbuchmäßiger Zusammenarbeit sogar das 4:2: Lasser ging bis zur Grundlinie, legte den Ball diagonal zurück auf Falk, der sich geschickt nach hinten fallen ließ und so zum 4:2 treffen konnte. Die Bodensee-Auswahl wollte sich aber längst nicht geschlagen geben und hatte Pech, dass nach einer Ecke erst der Pfosten im Weg stand und anschließend auch der Nachschuss knapp sein Ziel verfehlte. Das 3:4 wäre definitiv verdient gewesen. So ging es mit zwei Toren Führung für die Eintracht in die Pause. Hier bekamen Zuschauer und Spieler Gelegenheit, gegen eine Spende zugunsten der Kinderkrebshilfe "Urmel", einen Elfmeter gegen Oka Nikolov zu schießen. Unter anderem Bürgermeister Achim Krafft bewies hier Zielgenauigkeit und starke Nerven. Insgesamt 300 Euro standen für den guten Zweck zu Buche.

Gerster wirbelt

In Halbzeit zwei wechselten beide Mannschaften kräftig durch: Auf Seiten der SGE kamen Steinle, Müller, Mai, Tobollik, Gerster und Corrochano ins Spiel, die Bodenseeauswahl wurde mit Gastspielern verstärkt, die ihre Teilnahme über Kaufland gewonnen hatten. Frank Gerster und Patrick Falk wirbelten nun kräftig durch die Hinterreihen der Lokalmatadoren, Heiko Schanz, Jugendleiter des FV Langenargen und mittlerweile zwischen den Pfosten der Gastgeber hatte alle Hände voll zu tun. Das Tor fiel aber auf der anderen Seite, als Marco Meier einen herrlichen Alleingang mustergültig flach rechts im Eintracht-Tor einschlagen ließ. Steinle hatte vergeblich den Winkel verkürzt.

Nun entwickelte sich ein munteres Toreschießen. Erst spielte Falk einen herrlichen Doppelpass mit Nikolov und legte dann erfolgreich für Frank Gerster auf (5:3), dann machten es die beiden umgekehrt und Falk lupfte den Ball nach feiner Vorarbeit von Gerster sehenswert über Heiko Schanz zum 6:3. Die Bodensee-Auswahl steckte auch nach dieser vermeintlichen Vorentscheidung nicht auf und kam durch einen präzisen Flachschuss zum 6:4 heran. In der 72. Minute stellte Thomas Lasser dann den alten Abstand wieder her und erhöhte auf 7:4. Die Traditionsmannschaft ging nun merklich auf dem Zahnfleisch und sehnte den Schlusspfiff herbei. Das Wechselkontingent war aber ausgeschöpft und die doch etwas jüngeren Gegner setzten körperlich einen großen Kampf entgegen. In den letzten Minuten der Begegnung erinnerten die Defensivbemühungen der Adlerträger eher an Damenwahl beim Flamenco-Abend als an geordnete Abwehrarbeit. Der letzte Treffer war folgerichtig den bodenständigen Gastgebern vorbehalten, die in Gestalt von Martin Vogelgesang auf 7:5 verkürzten.

Dann war es vollbracht, der Schiedsrichter pfiff ab und die Spieler konnten endlich unter die heiße Dusche. Zufriedenheit bei den Eintracht-Veteranen: „Ich denke die Zuschauer haben trotz des Wetters eine attraktive Partie mit vielen Treffern gesehen. Auf beiden Seiten waren die Spieler motiviert und haben alles gegeben“, resümierte Frank Gerster. Rudi Bommer zeigte sich ebenfalls müde aber glücklich: „Ich hatte eigentlich nicht geplant hier durchzuspielen, am Ende haben wir doch aus allen Löchern gepfiffen. Der Gegner war ehrgeizig, gut trainiert und hat ordentlich dagegen gehalten. Da muss man erst mal gewinnen.“ Und auch auf Seite der Geschlagenen zeigte man sich happy: „Anfang der 90er Jahre war ich großer Eintracht Fan, dass ich heute gegen Manni Binz spielen durfte ist total irre“, sagte Joachim Vogel, der sich selbst in die Torschützenliste eintragen konnte. Und für Torhüter Heiko Schanz hat es „einfach riesig Spaß gemacht“.

Die Traditionsmannschaft der Eintracht dankt den Spielern der Bodensee-Auswahl sowie allen Organisatoren und Helfern für das intensive Match. Auch den Zuschauern, die bei nass-kalten Wetterbedingungen gekommen sind, sei herzlich gedankt. Hier geht´s zur Bildergalerie!

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