01.08.2018
Traditionsmannschaft

„Friedel Rausch ist bald durchgedreht“

Die neue Saison steht in den Startlöchern und mit ihr das sehnlichst erwartete Comeback der SGE auf internationalem Parkett. Während sich eine neue Generation von Adlerträgern bereitmacht, das nächste Kapitel in der Europapokalgeschichte der Eintracht zu eröffnen, können die Spieler unserer Traditionsmannschaft auf eine ganze Reihe denkwürdiger Schlachten zurückblicken. Zum Auftakt unserer kleinen Serie berichtet Norbert Nachtweih von seinen UEFA-Cup-Erinnerungen.

Von Norbert Nachtweih

Wenn ich an die Europapokal-Saison 1979/80 denke, kommen schnell die Bilder vom finalen Triumph gegen Borussia Mönchengladbach in den Sinn. Doch der Weg dorthin war alles andere als leicht, das Weiterkommen stand mehr als einmal auf der Kippe. Nimmt man das Endspiel mal beiseite, ragt für mich von der Dynamik her ein Spiel besonders hervor: das Rückspiel 1979 gegen Dinamo Bukarest.

Wir hatten das Hinspiel 0:2 verloren, waren dort total unter unserer eigentlichen Form geblieben. Der Gegner war unangenehm und hat gekämpft, wie immer im Ostblock zur damaligen Zeit.  Von unserer Seite gab es kein Aufbäumen, da hat nichts geklappt. Eine verdiente Niederlage. Im Rückspiel mussten wir uns also auf unsere Heimstärke verlassen und entsprechend Gas geben. Man muss dazu sagen, dass wir in jener Saison jedes einzelne Auswärtsspiel im UEFA-Cup verloren haben. Ohne Ausnahme. Das war unser Manko: Wir haben meistens gut gespielt, auswärts aber nichts gerissen. Friedel Rausch ist bald durchgedreht. 

Dafür waren wir im Waldstadion umso stärker. Das 0:2 war eine anständige Hürde. Ich habe hinten links gespielt. Wir kannten überhaupt niemanden von denen, aber das waren keine Dorfkicker. Die hatten ja auch eine gute Nationalmannschaft. Das Rückspiel fand Anfang November statt. Wir taten uns lange Zeit schwer, hatten zwar etliche Chancen, aber Bukarests Torwart Constantin Ştefan hat überragend gehalten. Nach jeder Parade hat er sich mit einem Handtuch die Handschuhe abgeputzt. Ich kann mich nicht entsinnen, dass von den Rumänen irgendetwas nach vorne kam. Es stand lange 0:0 und der Kerl hat ein Ding nach dem anderen rausgefischt, so dass ich schon dachte, dass es uns wohl erwischen würde.

Eine gute Viertelstunde vor Schluss hat dann aber Bum-Kun Cha das 1:0 per Kopf erzielt. Von da an brannte wieder das Feuer. Und in der 90. Minute fiel dann dieses absolut kuriose Tor von Bernd Hölzenbein: Charly Körbel verlängerte eine Flanke in den Strafraum, Holz rutschte aber aus und der Ball segelte in die Arme des Torhüters. Ich wollte schon abdrehen, als Ştefan, der, wie gesagt, zuvor überragend gehalten hatte, den Ball aus den Armen verlor und ihn direkt auf den Kopf vom sitzenden Holz fallen ließ. Bernd konnte gar keinen Druck mehr auf den Ball bringen, nickte ihn so gut es eben ging in Richtung Tor und der Ball kullerte wie in Zeitlupe über die Linie.

Ab dem Moment war klar, dass wir das Spiel gewinnen würden. Und Bernd Nickel brauchte auch nicht lange, um in der Verlängerung den Siegtreffer zu erzielen. Trotz der vielen Chancen und unserer Dominanz war am Ende natürlich auch eine gehörige Portion Glück dabei. Aber das brauchst du auch in so einem Wettbewerb. Zum Cup-Gewinn war es noch ein weiter Weg mit vielen Highlights, man denke nur an unseren überragenden 4:1-Sieg gegen Feyenoord und das 5:1 gegen Bayern München oder, für mich ganz persönlich, das Wiedersehen mit meiner Familie nach 13 Jahren in Brünn. Aber das ist eine andere Geschichte.

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