16.06.2021
Museum

Freundeskreis fürs Leben

Sechs ehemalige Spieler der 1959er Meistermannschaft sehen sich erstmals seit über 14 Monaten wieder persönlich. Die Freude ist so überschwänglich wie das Lob für ihre Eintracht.

Da sitzen sie. Lächeln um die Wette, schwelgen, schlemmen. Als wäre nichts gewesen. Viel war in den vergangenen 14 Monaten tatsächlich nicht los, weil nicht möglich. Beim DFB-Pokalspiel gegen Werder Bremen im März 2020 waren sich die Meisterspieler von 1959 zuletzt persönlich begegnet. Nun also das feierliche Wiedersehen, samt Gattinnen unter den Vordächern des Deutsche Bank Park, vor den Toren des Museums.

Auf Einladung von Matthias Thoma hat sich das historische halbe Dutzend, das im Rhein-Main-Gebiet heimisch geworden und bis heute geblieben ist, zusammengefunden. „Sie wohnen alle in der Region, aber doch ein Stück auseinander, und sind während der Coronapandemie sehr vorsichtig gewesen“, erklärt der Leiter des Eintracht Frankfurt Museums seine Beweggründe, den seit über 60 Jahren bestehenden Freundeskreis endlich wieder auf persönlicher Ebene zusammenzuführen. Vor zwei Wochen hat sich Thoma bei den Helden von früher erkundigt, wie sie zu einem Revival an ganz alter Wirkungsstätte stünden. Alle fit, alle doppelt geimpft. Keine Einwände.

Dabei haben die Mitarbeiter des Museums keine Kosten und Mühen gescheut: Über bunte Torten und herzhaftes Gebäck hinaus wartete auf die Geladenen sogar ein eigener Fahrservice. Von und nach Seckbach, Gelnhausen, Oberursel und wo sie alle herkommen. Es ist eines von vielen Details, welches die Meister sehr zu schätzen wissen. „Wir sind durch den Verein so gut betreut, haben bei Heimspielen eine eigene Loge, einen eigenen Parkplatz. Das ist wirklich lobenswert“, berichtet etwa Egon Loy. Dem kann sich István Sztáni nur anschließen: „Der Verein verwöhnt uns regelrecht, wir fühlen uns wohl.“

Der Verein verwöhnt uns regelrecht, wir fühlen uns wohl.

István Sztáni

Doch die gelösten Gespräche handeln nicht zwangsläufig von der Eintracht. Familie, Enkel, Heimat, Gesundheit – die Themen des Lebens eben. Doch auch diese sind selten losgelöst vom Wirken unter dem Adlerdach zu betrachten. „Es ist einfach prima, wie sich alles entwickelt hat. Erst die Meisterschaft, danach der Europapokal der Landesmeister mit dem Finale in Glasgow gegen Real Madrid. Darauf hat eine wunderschöne Zeit aufgebaut, die bis heute anhält und die wir in vollen Zügen genießen“, skizziert Erwin Stein: „Meine Frau und ich führen ein zufriedenes Leben.“

Zufrieden: Egon Loy.

Ähnlich fällt der Rückblick von Loy aus, der von 1954 bis 1967 13 Jahre den Adler auf der Brust getragen hat: „Meine Frau und ich haben hier unseren Freundeskreis gefunden, sind sesshaft geworden, unsere Tochter kam in Frankfurt zur Welt.“ Deshalb habe es „nie das Interesse gegeben, nach Schwabach zurückzukehren, auch wenn dort die Verwandtschaft sitzt. Wir haben uns ein Häuschen gekauft, leben in Oberursel und sind dort sehr glücklich.“

Erst recht, wenn wieder Heimspiele möglich sein sollten. Diese seien eine der engsten Begegnungsmagneten, wie alle Anwesenden einstimmig bestätigen. Nichtsdestotrotz ist über sechs Jahrzehnte auch der private Kontakt nie zu kurz gekommen. Auch dank der Ehefrauen. „Oftmals sind es wir Frauen, die telefonisch im Austausch bleiben“, verrät Helga Stinka schmunzelnd; Mann Dieter nickt zustimmend. „Der Zusammenhalt ist so groß, je öfter wir uns sehen, desto größer ist die Vorfreude“, so Helga Stinka weiter. Freude kommt bei Dieter Stinka ebenso auf, wenn er über die Vergangenheit sinniert. „Ich hatte großes Glück, dass ich 1958 zur Eintracht gewechselt bin. Ohne Paul Oßwald wäre es vielleicht anders gelaufen. Doch ihm bin ich gefolgt, unter ihm wurden wir ein Jahr später Meister.“ Dies wie das Jahrhundertspiel 1960 – alles schön und gut. Aber nicht weniger wichtig sei ihm bis heute geblieben, 1963 mit der Eintracht unter den Top Fünf gelandet zu sein. „Sonst wären wir nicht für die neu gegründete Bundesliga berechtigt gewesen“, zeigt der einstige Mittelfeldspieler auf.

Dieter Stinka plaudert gerne aus dem Nähkästchen.

Damals wie heute einzigartig: Die gegenseitige Unterstützung. „Schon früher war das Stadion voll.“ Doch nicht nur der Support von den Rängen imponiert bis heute. Generell trage die vielbeschworene Eintracht-Familie ihre Bezeichnung nicht umsonst. „Matze Thoma erkundigt sich regelmäßig bei uns, wie es uns geht. Daraus hat sich eine Freundschaft entwickelt“, zeigen sich die Eheleute Stinka beide dankbar für den gelebten Zusammenhalt.

Dieser äußert sich unter anderem darin, dass die Altmeister während des Lockdowns wiederkehrend Vereinszeitschriften erhalten. Der eine oder andere erkundigt sich darüber hinaus auch online, EintrachtTV steht hoch im Kurs. Gleichwohl gehe nichts über die Stadionluft, von der Erwin Stein, Egon Loy, István Sztáni, Hans Weilbächer, Dieter Stinka und Friedel Lutz zumindest für einen Nachmittag wieder etwas aufsaugen konnten. Davon, so viel war sichtbar, kann es auch nach bald drei Generationen nie genug geben.

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