23.12.2024
Museum

Ein Weihnachtsgeschenk für das Museum

Kürzlich konnte das Eintracht Frankfurt Museum einen sensationellen Neuzugang in der Sammlung verzeichnen. Quasi ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Doch lesen Sie selbst.

Der Wimpel von 1932 ist nun der älteste Wimpel in der Sammlung des Museums.

Große Aufregung herrschte jüngst im Eintracht Frankfurt Museum. Auf den Besuch von Brunhilde und Gerhard Lange aus Gudensberg hatten sich Dr. Othmar Hermann und Matthias Thoma vom Eintracht Frankfurt Museum lange gefreut. Denn die beiden Nordhessen brachten eine sporthistorische Sensation mit nach Frankfurt: Einen Wimpel vom Endspiel um die Deutsche Meisterschaft 1932, das die Eintracht in Nürnberg damals leider gegen Bayern München mit 2:0 verlor. Der Wimpel ist ab sofort der älteste Wimpel in der Sammlung des Museums.

Für uns ist der Wimpel eine echte Sensation, mit seinen fast einhundert Jahren ist er der älteste Eintracht-Wimpel in unserer Sammlung.

Matthias Thoma, Geschäftsführer Eintracht Frankfurt Museum

Wie der Wimpel ins Museum kam

Angefangen hat die Geschichte des einmaligen Wimpels bereits im Frühjahr. Da wandte sich die Redaktion der ZDF-Kultserie „Bares für Rares“ mit der Bitte um eine Expertise an das Museum der Eintracht. Als die Kollegen das Bild eines Wimpels von 1932 sahen, trauten sie ihren Augen kaum. Vom Endspiel 1932 fehlt der Eintracht nicht nur die Viktoria, der damalige Siegespokal, den damals ja die Bayern bekamen. Auch sonstige Erinnerungen sind kaum erhalten. Das Programm zum Endspiel erzielt bei Auktionen stets Höchstpreise und selbst die wenigen erhaltenen Eintrittskarten vom Finale am 12. Juni 1932 werden mittlerweile im vierstelligen Bereich gehandelt.

Das Eintracht-Museum lieferte seine Expertise bei der ZDF-Redaktion ab und nahm gleichzeitig Kontakt zur Familie Lange auf. Hier stellte sich schnell heraus, dass Gerhards Vater Hans 1932 als Eintracht-Fan mit seinen Kumpels nach Nürnberg zum Finale gefahren war. Und da die Familie das „fußballerische“ Vermächtnis des Vaters bewahren wollte, entschieden Brunhilde und Gerhard auf den Besuch bei „Bares für Rares“ zu verzichten und den Wimpel dem Eintracht Frankfurt Museum zur Verfügung zu stellen.

„Mein Vater spielte selbst Fußball. 1932 ist er von Gudensberg bei Bad Wildungen aus mit seinen Kumpels zum Endspiel um die Deutsche Meisterschaft nach Nürnberg gefahren. Einer seiner Kumpels war Willi Lock, der Frisör des Ortes. Alle haben der Eintracht die Daumen gedrückt. Und wir haben Fotos, da steht die Gruppe am Parkplatz und mindestens vier Anhänger haben so einen Wimpel in der Hand“, berichtet Gerhard Lange über die Reise des Vaters zum Finale.

Gruppenfoto in Nürnberg. Hans Lange (3.von rechts) mit Wimpel und Kumpels. Auf dem Bild sind mindestens vier der sensationellen Fanartikel zu sehen.
Erinnerungsfoto im Stadion-Innenraum, der Blick schon skeptisch. Ob Hans Lange schon ahnte, dass das Spiel für die Eintracht nicht gut ausgehen würde?

Hans Lange bewahrte seinen Wimpel nach dem verlorenen Finale auf und hängte ihn in den Küchenschrank. „Samt Küchenschrank zog der Wimpel im Jahr 1954 in das neu gebaute Haus, allerdings nur bis in die Garage“ erinnert sich Brunhilde Lange. In den 1980er Jahren haben wir den Schrank restaurieren lassen und in unsere Wohnung gestellt. Und den Wimpel haben wir wieder reingetan. Wir haben über den Wert nie nachgedacht, aber im vergangenen Jahr kamen wir auf die Idee, mal bei ´Bares für Rares´ nachzufragen. Wir dachten, vielleicht kriegt man 200 oder 300 Euro dafür.“ So kam der Kontakt, zunächst zur Redaktion der Sendung „Bares für Rares“, dann zur Eintracht. Das Museum bemühte sich um diesen besonderen Wimpel und kurz vor Weihnachten kam dann der erlösende Anruf: Die Langes stellen den Wimpel dem Eintracht Frankfurt Museum zur Verfügung.

Der Wimpel

Der Stoffwimpel hat eine Größe von 25 cm x 40 cm und hängt an einer Kordel, die mit einem Haltestock verbunden ist. Dieser Haltestock ist 66 cm lang. Der Wimpel ist professionell bedruckt und war ursprünglich vermutlich einmal blau-weiß. Auch die beiden Bommel sind blau-weiß. Das Blau hat die Zeit an den meisten Stellen jedoch nicht überdauert. Bedruckt ist der Wimpel mit dem Text:

Deutsche Fussball-Meisterschaft

Bayern – München

Eintracht – Frankfurt

Nürnberg

12. Juni 1932

Darüber hinaus ist auf dem ‚Wimpel ein schwarzer Kreis und ein grüner Lorbeerkranz aufgedruckt.

Der Wimpel zwischen verschiedenen Fotos aus der Zeit.

Wie auf dem Ausflugsfoto von Nürnberg zu sehen ist, gab es mindestens vier dieser Wimpel. Unklar ist jedoch noch die Entstehung der Wimpel: Eventuell wurden diese am Spielort in Nürnberg als Souvenir verkauft. Auf verschiedenen erhaltenen Fotos vom Publikum des Endspiels tauchen solche Wimpel allerdings nicht auf. Es könnte also auch sein, dass die Reisegruppe sich diesen Wimpel hat selbst produzieren lassen. Gerhard Lange erinnert sich jedoch nicht daran, dass einer der Freunde seines Vaters die Möglichkeit hatte, Drucksachen herzustellen.

Wie geht es weiter mit dem Wimpel?

Der Wimpel wird Anfang 2025 zunächst von einem Restaurator begutachtet und konservatorisch behandelt. Im Frühjahr wird er dann im Eintracht Frankfurt Museum ausgestellt werden. Familie Lange freut sich, dass das Erinnerungsstück des Vaters in gute Hände kommt. „Es wäre sicher im Interesse von Hans, dass sein Wimpel bei der Eintracht ausgestellt wird“, sagt Sohn Gerhard.

„Für uns ist der Wimpel eine echte Sensation, mit seinen fast einhundert Jahren ist er der älteste Eintracht-Wimpel in unserer Sammlung“, sagt Matthias Thoma, Geschäftsführer des Eintracht-Museums. Sobald der Wimpel ausgestellt ist, werden die Langes aus Gudensberg erneut das Museum besuchen und ihren „Küchenschrankbegleiter“ in einer Vitrine bestaunen.

Und in der kommenden Saison geht’s dann auch zum Heimspiel der Eintracht gegen Bayern München. Die Eintracht hat das Ehepaar als Dankeschön zu einem Spiel ins Stadion eingeladen. „Wir haben privat ein paarmal Urlaub gemacht im Hotel von Sebastian Kehls Eltern. Daher haben wir auch Sympathien zum BVB. Aber wenn uns die Eintracht einlädt kommen wir natürlich zum Spiel gegen die Bayern. Und diesmal gewinnt die Eintracht“, freut sich Brunhilde Lange auf den Besuch.

Gerhard (1.v.l.) und Brunhilde Lange mit dem Wimpel von 1932. Matthias Thoma und Dr. Othmar Hermann (1.v.r.) staunen und freuen sich über den Schatz.