In diesen Tagen startet der Konzertsommer im Stadion, das Eintracht Frankfurt Museum bleibt deswegen aktuell geschlossen. Doch Sportbildung gibt’s auch via Fernuni. Wir haben den Redakteur und Autor Ulrich Matheja gebeten, uns die Geschichte der Weltmeisterschaften aufzuschreiben. „Kurz oder ausführlich?“ fragte Uli. Wir fanden es gut, das Ganze genauer unter die Lupe zu nehmen und antworteten „ausführlich“. Tja, jetzt haben wir zehn Teile. Die aber mächtig spannend sind. Heute startet Teil 1: Der Weg zur ersten Fußball-Weltmeisterschaft 1930. Professor Matheja hat das Wort:
Der Weg zur ersten Fußball-Weltmeisterschaft 1930
Henri Delaunay (1883-1955), Generalsekretär des Französischen Fußball-Verbandes, brachte auf dem FIFA-Kongress 1926 erstmals die Idee eines eigenen FIFA-Turniers ins Spiel, da „internationaler Fußball nicht mehr im Rahmen der Olympischen Spiele ausgetragen werden könne und viele Länder, in denen der Profifußball mittlerweile anerkannt und organisiert ist, [...] dort nicht mehr durch ihre besten Spieler vertreten werden können.“ Vor allem England hatte auf der Klassifizierung eines Spielers „entweder als Vollamateur oder als Profi“ bestanden. Da man in Belgien, der Schweiz und Italien aber anders dachte, kam es 1928 zum Bruch und die vier britischen Verbände kehrten der FIFA zum zweiten Mal nach 1920 den Rücken. Auch der DFB hatte sich 1925 in der Berufsspielerfrage positioniert: „Der DFB ist und bleibt ein reiner Amateurverband“, der „den Berufssport bekämpft und es für alle Zukunft ablehnt, ihn irgendwie zu fördern oder in seine Organisation einzugliedern.“
Vor dem 1. Weltkrieg war die FIFA noch eine fast rein europäische Angelegenheit. Nur fünf der damals 24 Mitgliedsverbände kamen aus Übersee: Südafrika, Argentinien, Chile, Kanada und die USA. 1917 kam Brasilien dazu. Nach 1918 stand die FIFA vor dem Problem, die Interessen der Sieger und Verlierer, der Neutralen und neu entstandenen Länder wie Jugoslawien, der Tschechoslowakei, Polen, Irland und der baltischen Staaten in Einklang zu bringen. So verließen die vier britischen Verbände erstmals 1920 den Weltverband, da der von ihnen geforderte Ausschluss der Mittelmächte Deutschland, Österreich und Ungarn am Widerstand der neutralen Staaten gescheitert war. Gleichzeitig traten mit Costa Rica, Paraguay, Uruguay, Peru, Bolivien und Ecuador weitere lateinamerikanische Länder der FIFA bei. Thailand war 1925 das erste asiatische FIFA-Mitglied.
Fußball wurde bereits 1896 bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit in Athen gespielt, als eine griechische gegen eine dänische Auswahl antrat. Ab 1908 in London gingen nur noch Ländermannschaften an den Start. Organisiert wurde das Turnier von der englischen Football Association. Deutschland nahm 1912 in Stockholm erstmals teil. Ägypten war 1920 in Antwerpen das erste nichteuropäische Land und 1924 konnten in Paris mit Uruguay und den USA sogar Gäste aus Übersee begrüßt werden. Dafür verzichteten Großbritannien und Dänemark wegen der Professionalismusfrage auf eine Teilnahme.
Am 26. Mai 1928, einen Tag vor Beginn der Olympischen Spiele in Amsterdam, gab es grünes Licht für die erste Fußball-Weltmeisterschaft im Jahr 1930, „die allen FIFA-Mitgliedsnationen offenstehen sollte.“ Nachdem die Niederlande, Ungarn, Schweden, Italien und Spanien ihre Bewerbungen zurückgezogen hatten, wurde Uruguay auf dem FIFA-Kongress 1929 zum Ausrichter gekürt. Beim Olympiaturnier 1928 war Deutschland im Viertelfinale mit 1:4 gegen späteren Olympiasieger Uruguay, der bereits 1924 in Paris Gold geholt hatte, ausgeschieden.
In Europa herrschte hingegen große Skepsis wegen der Kosten und der langen Abwesenheit der Spieler von ihren Vereinen. Die spielstärksten mitteleuropäischen Länder Italien, Österreich, Tschechoslowakei, Ungarn und die Schweiz spielten seit 1927 bereits um einen Europapokal der Nationalmannschaften. England schlug sogar eine Einladung des uruguayischen Verbandes aus. Auch der DFB verzichtete auf die WM-Teilnahme, obwohl es 1929/30 nach Lockerung des Spielverbots gegen ausländische (professionelle) Mannschaften gute Ergebnisse gegeben hatte: gegen die Schweiz 7:1 in Mannheim und 5:0 in Zürich; gegen Italien 2:1 in Turin und 0:2 in Frankfurt; gegen Schottland 1:1 in Berlin, gegen England 3:3 in Berlin. Stattdessen nahm die SpVgg Fürth, der Deutsche Meister von 1929, im Juli 1930 in Genf an einem Turnier mit zehn europäischen Spitzenklubs teil.
Am Ende wagten mit Belgien, Frankreich, Jugoslawien und Rumänien gerade einmal vier europäische Teams die 15-tägige Schiffsreise nach Südamerika. Pech hatten die Ägypter, die wegen eines Sturmes im Mittelmeer ihren Anschlussdampfer in Marseille verpassten. Immerhin erzielte mit dem Franzosen Lucien Laurent ein Europäer das erste WM-Tor, der am 13. Juli 1930 beim 4:1 gegen Mexiko nach 19 Minuten traf. Gespielt wurde in einer Vierer- und drei Dreiergruppen und nur Jugoslawien erreichte nach Siegen gegen Brasilien (2:1) und Bolivien (4:0) das Halbfinale, in dem man allerdings mit 1:6 gegen die Gastgeber ausschied. Im zweiten Halbfinale unterlagen die USA, wo Fußball Ende der 1920er Jahre einen ersten Boom erlebte, ebenfalls mit 1:6 gegen Argentinien, so dass es am 30. Juli 1930 zum bislang einzigen rein südamerikanischen WM-Endspiel und einer Wiederholung des Olympia-Finales von 1928 kam. Uruguay besiegte Argentinien in Montevideo vor fast 70.000 Zuschauern mit 4:2 und war damit das erste Land, das einen Weltmeistertitel feiern konnte.
von Ulrich Matheja
Den zweiten Teil der WM-Geschichte finden Sie hier: Zum zweiten Teil der WM-Geschichte.





