25.04.2016
Traditionsmannschaft

„Die heutige Mannschaft ist weiter als wir damals“

Slobodan Komljenovic ist eine feste Größe in den Reihen unserer Traditionsmannschaft. Das 45-jährige Schlitzohr spielte von 1992 bis 1997 für die Eintracht und erlebte in dieser Zeit alles vom vielzitierten „Fußball 2000“ bis zum bitteren Abstieg 1996.

Warum er glaubt, dass die aktuelle Mannschaft besser für den Saisonendspurt gerüstet ist, als die Elf von damals und das Ruder noch herumreißen wird, verrät er im Rahmen seiner Spieltagstipps.

Hamburger SV – Werder Bremen

Der HSV war zu meiner aktiven Zeit immer ein sehr unangenehmer Gegner, die haben mir überhaupt nicht gelegen. Trotzdem bin ich in dieser Begegnung auf jeden Fall HSV-Fan, damit sie gegen Werder Bremen gewinnen. Ich finde es bedauerlich, dass Werder nun unser Konkurrent Nummer eins ist. Normalerweise würde ich ihnen den Abstieg nicht wünschen, aber in der aktuellen Situation kann ich nicht anders. Werder hat in den letzten Jahren mit einigen Schwierigkeiten zu kämpfen gehabt. Skripnik macht unter den gegebenen Umständen aber gute Arbeit und es spricht für Werder, dass sie bislang an ihm festgehalten haben. Mit Pizarro als Knipser und Leitfigur haben die Bremer natürlich eine Lebensversicherung da vorne drin. Es wird also nicht leicht für den HSV, zumal sie auch noch auf den gesperrten René Adler verzichten müssen. Ich hoffe trotzdem, dass der HSV die Punkte einfährt und tippe auf 2:1.

VfL Wolfsburg – FC Augsburg

Wenn ich an Wolfsburg denke, fällt mir besonders ein Spiel aus dem Jahr 1999 ein: Während die Eintracht gegen Kaiserslautern sensationell den Klassenerhalt schaffte, haben wir mit dem MSV Duisburg die Wölfe rasiert. Wir haben 0:1 hinten gelegen und dann sechs Tore geschossen. Eins davon ist mir selbst gelungen. Ich bin einfach blind nach vorne gerannt, ich weiß selbst nicht mehr, was mich da geritten hat. Es war wohl einfach eine Eingebung. Ich hoffe, dass die Wölfe gegen Augsburg auch selbst wieder eine solche Eingebung haben werden und dafür sorgen, dass die Augsburger unten drin bleiben. Nach dem Ausscheiden gegen Real Madrid in der Champions League und der Niederlage in Bremen brauchen die Wolfsburger das Erfolgserlebnis und ich denke, sie haben die nötige Qualität. Die Entwicklung von Augsburg ist wiederum eine sensationelle Sache. Besonders freue ich mich für Daniel Baier, mit dem ich noch in München zusammengespielt habe. Trotz aller Freundschaft halte ich mit Blick auf unsere eigene Situation aber diesmal zu den Wölfen: 1:0.

VfB Stuttgart – Borussia Dortmund

Stuttgart war für uns früher immer eine Art Derby und als Gegner immer schwer zu spielen. Die Stuttgarter haben sich in der Rückrunde eigentlich super entwickelt und gezeigt, was sie für eine Qualität im Kader haben. Auch wenn sie jetzt wieder unten reingerutscht sind, denke ich, dass der VfB das Spiel gewinnen wird. Dortmund spielt zwar eine bärenstarke Runde, hat in den vergangenen Tagen mit den Spielen gegen Liverpool, Hamburg und Berlin aber viel Kraft gelassen. Darüber hinaus geht es in der Liga nicht mehr um viel für den BVB, da sind die Bayern einfach zu stark, während der VfB jetzt wieder punkten muss. Ich glaube daher, es geht 3:1 für Stuttgart aus.

1. FC Köln – Darmstadt 98

Egal wie, Köln muss das Spiel gewinnen. Klar ziehe ich vor Darmstadt meinen Hut. Keiner hat vor der Saison einen Pfifferling auf sie gesetzt. Was Schuster und die ganze Mannschaft aus ihren Möglichkeiten gemacht haben, verdient Respekt. Wir dachten alle, dass die Kraft irgendwann nachlassen würde, dass sie dem hohen Einsatz Tribut zollen müssen und einbrechen würden, aber man sieht, dass dem nicht so ist. Im Augenblick sieht es so aus, als ob Darmstadt den Klassenerhalt so gut wie geschafft hat. Ich möchte sie aber noch nicht aus dem Rennen entlassen. Wenn sie gegen Köln und dann gegen uns verlieren, kann alles sich wieder ganz schnell wenden. Deshalb setze ich auf die Geißböcke und tippe 1:0.

Hertha BSC Berlin – FC Bayern München

Zwei Mannschaften, an die ich viele Erinnerungen habe. Ich kann mich noch an mein erstes Spiel im Berliner Olympiastadion erinnern: Es war die erste Zweitliga-Saison der Eintracht 1996/97, wir waren gut in die Runde gestartet, hatten dann aber stark nachgelassen und wurden nach unten durchgereicht. Mitte der Hinrunde standen wir gegen Hertha bereits stark unter Druck, lagen auch 0:1 hinten, konnten das Spiel aber am Ende mit 2:1 gewinnen. Ich selbst wurde zur Halbzeit ausgewechselt, weil mich irgendeiner umgesenst hatte. Der Knöchel war dick angeschwollen und ich bin nachhause gehumpelt. Egal, Hauptsache drei Punkte. Und Bayern? Da denke ich gleich an mein erstes Bundesligator in einem irren Spiel in München. Erst lagen wir vorne, dann hinten, am Ende gelang mir der 3:3-Endstand. Das war natürlich ein sehr schönes Erlebnis für mich. Auch die folgenden Spiele mit dem Sieg am grünen Tisch nach dem Wechselfehler von Trapattoni und dem 4:1-Heimsieg 1995, bei dem wir die Bayern an die Wand gespielt haben, werde ich nie vergessen. Heute ist Bayern nach wie vor die dominante Kraft in der Liga, vielleicht sogar mehr denn je. Die Bayern werden das Spiel in Berlin auch mit minimalem Einsatz gewinnen. Ich denke, sie haben mit Atlético Madrid das schwerste Los in der Champions League gezogen und werden sich bereits auf dieses Spiel konzentrieren. Daher wird der Sieg nicht allzu hoch ausfallen: 0:2.

FC Ingolstadt – Hannover 96

Gegen keine dieser Mannschaften habe ich zu meiner aktiven Zeit selbst gespielt. Insofern verbinde ich mit den Mannschaften keine besonderen Emotionen. Hannover hat sich nach dem Trainerwechsel stark verbessert präsentiert, zu mehr als Ergebniskosmetik wird es in meinen Augen aber nicht reichen. Sie werden absteigen, aber vielleicht wenigstens mit ein wenig Auftrieb in die zweite Liga gehen. Ingolstadt ist für mich dagegen die Überraschung der Saison. Ralph Hasenhüttl leistet großartige Arbeit und wird nicht umsonst heiß bei anderen Clubs gehandelt, auch wenn letzteres Ingolstadt ärgert. Dass sie sich in der Liga halten werden ist schon eine kleine Sensation. Ich erwarte in diesem Spiel kein großes Offensiv-Feuerwerk. Ingolstadt wird es schwer haben, das Spiel zu machen, Hannover wird kontern, am Ende geht es 1:1 aus.

FC Schalke 04 – Bayer 04 Leverkusen

Bayer Leverkusen war immer ein unangenehmer Gegner für mich. Ich erinnere mich mit einer Mischung aus Ärger und Bewunderung an das Tor, das uns Bernd Schuster 1994 von der Mittellinie aus reingehauen hat. Als Weltklasse-Spieler hatte er gesehen, dass Andy Köpke im Tor weit draußen stand und hat das Ding einfach reingenagelt. Was soll man da sagen? Hut ab und fertig. Und solche Spieler hatte Leverkusen schon immer in den eigenen Reihen, auch heute. Seit Roger Schmidt nicht mehr gesperrt ist, hat Bayer einen super Lauf und sich bis auf Platz drei vorgearbeitet. Diesen Champions-League-Platz wollen sie natürlich verteidigen. Für Chaosverein Schalke 04 geht es auch noch um das internationale Geschäft. Insofern ist eigentlich alles angerichtet für ein packendes Spiel. Die Unruhe auf Schalke wirkt sich aber schon jetzt auf die Mannschaft aus und wird auch in diesem Spiel Spuren hinterlassen: Breitenreiter ja oder nein, alter Sportdirektor gegen neuen Sportdirektor... das beeinflusst die Spieler mit Sicherheit. Deswegen glaube ich, dass sich Leverkusen mit 1:2 durchsetzen wird.

Borussia Mönchengladbach – 1899 Hoffenheim

Bei Gladbach denke ich zuerst an zwei sehr unterschiedliche Spiele innerhalb der Saison 1993/94. Wir sind damals sensationell in die Runde gestartet. Den Auftakt machte ein 4:0-Sieg auf dem Bökelberg. Es war die Zeit unter Toppmöller, der im Zuge unserer Siegesserie irgendwann das berühmte „bye, bye, Bayern“ rausgehauen hat. Dann hat sich Tony Yeboah schwer am Knie verletzt und unsere Misere begann. Gegen Ende der Hinrunde ging bei uns gar nichts mehr und zum Rückrunden-Auftakt haben wir dann, noch immer als Spitzenreiter, die Gladbacher empfangen und 0:3 verloren. Am nächsten Spieltag haben wir endgültig die Tabellenführung abgeben müssen. Das war sehr bitter. Bei der Partie der Gladbacher gegen Hoffenheim wird wahrscheinlich wieder viel über Tradition und Emporkömmlinge gesprochen. Ich habe da eine klare Meinung: Da ist ein Mensch, der unheimlich viel für den Fußball tut, nicht nur in Hoffenheim, sondern in der gesamten Region. Ich bin froh, dass es Menschen wie Dietmar Hopp gibt und deswegen stellt sich die Frage nach der Daseinsberechtigung Hoffenheims für mich gar nicht. Das mal vorneweg. Für Gladbach ist nach der bitteren Niederlage gegen Hannover nun Wiedergutmachung angesagt. Sie werden alles dafür tun, Hoffenheim zu schlagen und im Rennen um die Champions League zu bleiben. Julian Nagelsmann leistet zwar super Arbeit bei 1899 und seine Ergebnisse sprechen für sich, am Ende hat Gladbach aber die größere Qualität, weshalb ich auf 3:0 tippe.

Eintracht Frankfurt – FSV Mainz 05

Der Abschluss des Spieltags ist natürlich das Highlight: Jetzt geht es um alles. Ich habe 1996 den Abstiegskampf mit der Eintracht erlebt und sehe Parallelen und Unterschiede zu heute: Wir hatten damals grob gesagt das Problem, dass wir zuhause immer gewonnen und auswärts immer verloren haben. Ähnlich wie heute standen wir lange Zeit im sicheren Bereich der Tabelle und waren davon überzeugt, nichts mit dem Abstieg zu tun zu haben. Im Gegenteil, der Blick war stets nach vorne gerichtet. Dann haben wir plötzlich die Heimspiele nicht mehr gewonnen, auswärts aber nach wie vor nicht groß gepunktet. Dann ging es immer weiter nach unten. Die Mannschaft war einfach nicht für den Abstiegskampf gemacht, kaum ein Spieler hatte Erfahrung damit. Das war ein Riesenproblem. Als es darauf ankam, wusste die Mannschaft nicht, wie sie reagieren sollte. Deshalb sind wir 1996 abgestiegen. Ich denke, die heutige Mannschaft ist da weiter als wir damals. Man hat in den letzten Spielen gesehen, dass sie verstanden haben, worum es geht. Sie haben den Kampf angenommen. Jetzt müssen unbedingt die Ergebnisse folgen, da gibt es gar nichts. Wir haben in Leverkusen bis zum 0:1 sehr, sehr gut gespielt. Das Endergebnis ist viel zu hoch ausgefallen. Die Mainzer haben, wie Bayer auch, ein überragendes Umschaltspiel, aber unsere Abwehr hat sich zuletzt so gefestigt gezeigt, dass wir mit der Unterstützung der Fans in diesem Derby die Kuh vom Eis holen werden. Wir werden eins reinsetzen, die Mainzer müssen aufmachen und dann legen wir noch eins nach. Wir gewinnen 2:0. Danach schlagen wir Darmstadt auswärts, erkämpfen gegen Dortmund einen Punkt, besiegen Werder und bleiben in der Liga. Fertig.

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