06.08.2025
Museum

Die Eintracht und Fulham

Viele Verbindungen gab es zwischen Frankfurt und dem Fulham Football Club bislang nicht. Das Eintracht-Museum ist trotzdem mehr als fündig geworden.

1879 wurde „Fulham St. Andrew’s“ als Team für Jugendliche der Fulham St. Andrew’s Church gegründet. Damit ist der Klub aus dem Westen London der älteste professionelle Fußball-Club der englischen Hauptstadt. Obwohl zunächst hauptsächlich Cricket gespielt wurde, gelang den „Saints“ 1887 mit Gewinn des West London Amateur Cup der erste Erfolg im Fußball. Als sich der Klub im Januar 1889 in „Fulham FC“ umbenannte, wurde auch der Spitzname abgelegt. In seiner Frühzeit spielte der Klub auf zahlreichen Plätzen, bis er 1894 ein 2,8 Hektar großes Gelände am Nordufer der Themse pachtete, das im 16. Jh. Teil des Jagdreviers von Anne Boleyn, der zweitem Ehefrau von König Heinrich VIII war. Sie wurde 1536 wegen Ehebruchs und Hochverrats hingerichtet. 1780 war dort ein Cottage errichtet worden, dass sich bald großer Beliebtheit bei der Londoner High Society erfreute. Nachdem es 1888 abgebrannt war, verwilderte das Gelände, bevor Fulham dort einzog. Es dauerte zwei Jahre, bis die Wildnis in ein Fußballstadion verwandelt wurde, dass nach zeitgenössischen Presseberichten Platz für 50.000 Zuschauer hatte und am 10. Oktober 1896 mit einem 4:0 im Middlesex Senior Cup gegen „Minerva“ eingeweiht wurde.

1898 wechselte Fulham ins Profilager und trat der Southern League, Division 2, bei, in der man 1902 und 1903 Meister wurde. 1905 wurde Fulham ein Angebot vorgelegt in das 70.000 Zuschauer fassende Stadion an der „Stamford Bridge“ umzuziehen, das vom Vorstand jedoch zurückgewiesen wurde. Fulham blieb im „Craven Cottage“, errichtete neue Tribünen und einen Pavillion, der bis heute das Wahrzeichen des Stadions ist. Von 1931 bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs war das „Cottage“ auch Teil des Vereinswappens. 1907 wurde Fulham in die Football League (Division 2) aufgenommen. 1910 wurden Pläne einer Fusion mit dem angeschlagenen Erstligisten Woolwich Arsenal aus dem Osten Londons von der Liga abgelehnt. Woolwich Arsenal zog daraufhin in den Norden, strich das „Woolwich“ aus dem Vereinsnamen und schrieb seitdem als „Arsenal FC“ Geschichte. Während die „Gunners“ in den 1930er Jahren fünfmal Meister und zweimal Pokalsieger wurden, rutschte Fulham 1928 sogar für vier Jahre in die Drittklassigkeit ab. Erst 1949 gelang der erstmalige Aufstieg in die First Division (bis 1952), der der Klub auch von 1959 bis 1968 angehörte. 1966 wurde Rechtsverteidiger George Cohen (1939 bis 2022; 37 Länderspiele) mit England Weltmeister.

George Cohen.

Mit Fulham ging es danach jedoch bergab. Nach dem Erstligaabstieg 1968 wurde der Klub in die 3. Division durchgereicht und pendelte bis 2001 zwischen der zweit- und dritthöchsten Spielklasse. Von 1994 bis 1997 war man sogar nur viertklassig. 1975 unterlag Fulham im Endspiel des FA Cup mit 0:2 gegen West Ham United, das sich im folgenden Europapokal der Pokalsieger im Halbfinale knapp gegen die Eintracht durchsetzte. Im Pokal-Endspiel 1975 stand Englands WM-Kapitän von 1966, Bobby Moore, im Fulham-Team. 1976/77 spielte auch der Nordire George Best für die Cottagers.

1997 übernahm der ägyptische Milliardär Mohamed Al-Fayed den frischbackenen Drittliga-Aufsteiger mit Ziel, ihn in den nächsten fünf Jahren in die Premier League zu führen. Von nun an wurde nicht mehr gekleckert sondern geklotzt. Als mit dem 84-maligen Nationalspieler Ray Wilkins jedoch der nächste Aufstieg nicht klappte, übernahm Keegan das Kommando. Obwohl der ehemalige HSV-Spieler Fulham schon im Februar 1999 wieder verließ, um englischer Nationaltrainer zu werden, stieg der Klub am Ende als Meister in die zweithöchste Spielklasse auf. 2001 wurde dann sogar ein Jahr früher als von Al-Fayed geplant unter dem französischen Europameister von 1984, Jean Tigana, die Premier League erreicht. 2008/09 erreichte Fulham mit Roy Hodgson mit Platz 7 die beste Platzierung der Vereinsgeschichte und qualifizierte sich für die neue Europa League. Hier verdarb man dem HSV im Halbfinale das Endspiel im eigenen Stadion durch ein 0:0 in Hamburg und ein 2:1 in London. Am 19. März 2010 unterlag man dann jedoch Atlético Madrid im Volksparkstadion mit 1:2 nach Verlängerung.

Als Achter 2011 und Neunter 2012 landete Fulham noch zweimal in der oberen Tabellenhälfte, doch 2013/14 war das Abstiegsgespenst Dauergast im Craven Cottage. Selbst die Verpflichtung von Felix Magath als Trainer half da nichts. Unter seiner Leitung wurden aus den restlichen zwölf Spielen nur zwölf Punkte geholt, so dass Fulham als Vorletzter abstieg. Am 18. September 2014 wurde Magath, der erste deutsche Trainer in der Premier League, entlassen. Erst 2018 gelang der Wiederaufstieg. Danach ging es rauf und runter: 2019 Abstieg, 2020 Wiederaufstieg, 2021 Abstieg, 2022 Wiederaufstieg. Seitdem ist Fulham wieder Dauergast in der Premier League.

Gespielt hat die Eintracht erst einmal gegen Fulham: Am 25. Juli 2015 gab es im Rahmen des Trainingslagers im österreichischen Irdning vor rund 500 Zuschauern ein 1:0. Das goldene Tor erzielte Haris Seferovic in der 37. Minute.

Die Eintracht spielte in folgender Aufstellung

Lindner – Hasebe (46. Ignjovski), Russ, Abraham (59. Kinsombi), Oczipka (59. Djakpa) – Aigner (46. Gerezgiher), Flum, Reinartz (46. Medojevic), Inui (59. Waldschmidt) – Seferovic (46. Stendera), Kadlec (72. Bunjaki).

Trainer Armin Veh sagte nach dem Spiel: „Wir haben gegen einen tiefstehenden Gegner gespielt, der nicht viel zugelassen hat. Aber genau solche Spiele sind in der Vorbereitung wichtig. In der zweiten Halbzeit hatten wir mehrere Spieler aus der eigenen Jugend auf dem Platz stehen. Von daher bin ich sehr zufrieden.“

Auch die Zahl der Spieler, die für beide Klubs gespielt haben, ist recht übersichtlich: Junichi Inamoto war von 2002 bis 2004 in Fulham, von 2007 bis 2009 spielte er für die SGE. Lucas Piazon spielte 2014/15 in Frankfurt und erzielte in Hamburg ein Traumtor, von 2016 bis 2018 war er in Fulham. Und Michael Hector erreichte mit der Eintracht 2016/17 das Pokalfinale, von 2020 bis 2022 kickte er für Fulham.

Michael Hector.

Es haben jedoch einige deutsche Nationalspieler bei den Westlondonern gespielt, so 1999 bis 2001 Karl-Heinz Riedle, 2012 bis 2014 Sascha Riether, 2014 Lewis Holtby, 2018 bis 2019 André Schürrle und Torhüter Bernd Leno, der seit 2022 bei Fulham unter Vertrag steht. Dazu Trainer Felix Magath, 1999 bis 2001 bei der Eintracht und 2014 bei Fulham.

Die Eintracht hat mittlerweile schon achtmal in London gespielt, das erste Aufeinandertreffen war 1958 ein Freundschaftsspiel beim FC Arsenal, das mit 0:1 verloren ging. Der bislang letzte Auftritt in London war das 1:1 bei Tottenham im April 2025 im Viertelfinale Europa League.

Außerdem spielte die Frankfurter Stadtauswahl am 26. Oktober 1955 in Wembley gegen London (2:3). Von der Eintracht waren Richard Kreß und Alfred Pfaff  dabei. Die restlichen Spieler kamen vom FSV und Kickers Offenbach. Der FC Fulham war mit Bobby Robson, 1982 bis 1990 englischer Nationaltrainer, Bedford Jezzard, der zwei Tore erzielte, und Charlie Mitten vertreten.

Die Frankfurter Stadtauswahl am 26. Oktober 1955 in Wembley gegen London.