Und woran sich kaum einer erinnert: 1959 wechselte ein Spieler vom Fußballverein Engers 07 zum Deutschen Meister SG Eintracht Frankfurt. Doch wie immer beginnt alles mit einer Geschichtsstunde:
Engers war bis 1970 eine eigenständige Stadt und ist seitdem ein Stadtteil von Neuwied. Im Mittelalter wurde in Engers für kurze Zeit der Rheinzoll erhoben und zwischen 1759 und 1764 ließ der Erzbischof und Kurfürst von Trier hier sein Sommerschloss direkt am Rhein errichten. Am 10. Juli 1907 wurde mit dem FC Viktoria der erste Fußballklub gegründet, dem sich noch im gleichen Jahr der FC Roland anschloss. 1910 kam es zum Zusammenschluss mit dem heute noch bestehenden TV 1879 Engers. Doch schon 1916 machten sich die Fußballer als FV Engers 07 wieder selbständig. Die Vereinsfarben sind grün-weiß und gespielt wird im Stadion am Wasserturm, das seit 2017 einen Kunstrasenplatz hat und 3000 Zuschauer fasst. Für das Pokalspiel gegen die Eintracht zieht der Verein jedoch nach Koblenz ins Stadion Oberwerth um, wo Platz für 10.176 Fans ist. Hier spielte TuS Koblenz von 2006 bis 2011 sogar in der Zweiten Bundesliga, doch inzwischen gehört TuS wie der FV Engers 07 der fünftklassigen Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar an. Koblenz wurde 2025 Vierter, Engers Siebter, gewann dafür aber nach 2020 und 2022 zum dritten Mal den Rheinlandpokal durch ein 2:0 über den FC Rot-Weiß Koblenz – und das im Stadion Oberwerth!
Von 1927 bis 1933 spiele Engers in der höchsten Spielklasse des Westdeutschen Spielverbandes, verpasste dann aber die Qualifikation für die neue Gauliga Mittelrhein. 1934, 1936 und 1937 scheiterte der Klub als Meister seiner Bezirksligagruppe jeweils in der Aufstiegsrunde. Durch die kriegsbedingte Aufteilung in die Ligen Köln-Aachen und Moselland fand sich der FV Engers 07 von 1941 bis 1944 in der Ostgruppe der Gauliga Moselland wieder. Nach dem Krieg spielte Engers zunächst in der zweitklassigen Landesliga Rheinland-Nord und stieg 1949 als Meister in die Oberliga Südwest auf, wo man sich bis 1953 halten konnte. Nach zwei Jahren in der Zweiten Liga Südwest war man 1955/56 nochmal erstklassig, verpasste danach mehrmals knapp den Wiederaufstieg, hielt sich aber bis 1963 in der zweithöchsten Spielklasse. Höhepunkt der Erstligajahre war im Januar 1951 ein 1:0-Sieg auf dem Betzenberg gegen den 1. FC Kaiserslautern. In der Saison davor hatte man dort noch eine 0:13-Klatsche hinnehmen müssen.
Nach Einführung der Bundesliga 1963 war es jedoch mit höherklassigem Fußball in Engers vorbei. Mit Ausnahme der Saison 1968/69 war man bis 1974 in der drittklassigen Ersten Amateurliga Rheinland zu Hause. Laut Vereinshomepage rutschte der Klub danach sogar bis in die A-Klasse ab, arbeitete sich aber langsam wieder nach oben. 2000 gelang der Aufstieg in die inzwischen nur noch fünftklassige Rheinlandliga und 2002 in die Oberliga Südwest, in der man sich bis 2008 hielt. Es folgten vier Jahre in der nur noch sechstklassigen Rheinlandliga und 2012/13 musste man sogar ein Jahr in der Bezirksliga spielen. Seit 2017 ist der FV Engers 07 wieder in der fünftklassigen Oberliga Rheinland-Pfalz/Saar vertreten. Beste Platzierung war ein dritter Platz 2023 in der Gruppe Nord hinter dem TSV Schott Mainz und TuS Koblenz.
Als Rheinlandpokalsieger nahm der FVE 2020 erstmals am DFB-Pokal teil. Da wegen der Coronapandemie nicht im heimischen Stadion gespielt werden konnte, trat der Oberligist sein Heimrecht an den Zweitligisten VfL Bochum ab und unterlag im Ruhrstadion mit 0:3. 2022 zog man mit Arminia Bielefeld ebenfalls einen Zweitligisten und unterlag vor 3558 Zuschauern in Koblenz mit 1:7. Die Eintracht ist somit der erste Bundesligagegner des FV Engers 07 im DFB-Pokal.
Erstmals standen sich beide Klubs am 18. Juni 1950 gegenüber. Da war der FVE noch Erstligist! Die Frankfurter Neue Presse schrieb dazu: „Die Frankfurter Eintracht gastierte zu einem Fußballfreundschaftsspiel in Engers und blieb dort nach wechselvollem Spielverlauf verdienter 2.1-Sieger.“ Pfaff hatte die Riederwälder durch einen Elfmeter in Führung gebracht. Nach dem Ausgleich (75.) erzielte Willi Kraus in der 81. Minute vor 2000 Zuschauern den Siegtreffer. Am 6. Oktober 1968 gastierte die Eintracht nach dem Bundesligaspiel beim 1. FC Köln (1:2) in Engers und siegte vor 2500 Zuschauern gegen eine Kombination FVE/SSV Heimbach-Weis mit 9:1. Torschützen: Dreimal Nickel, je zweimal Grabowski und Lotz sowie Hölzenbein und „Kalla“ Wirth.
Bis 1953 spielte Severin Sorger beim FV Engers 07, erzielte in 64 Oberligaspielen drei Tore. Anschließend bestritt er für TuS Neuendorf, heute TuS Koblenz, weitere 123 Oberligaspiele und markierte acht Treffer. 1959 wechselte Sorger zum Deutschen Meister und Champions-League-Teilnehmer Eintracht Frankfurt. Für Sammler gab es damals etwas Besonderes: Der Eintracht-Kader im Briefmarkenmotiv. Da tauchte Severin Sorger zwischen Stars wie Alfred Pfaff, Richard Kreß oder Egon Loy auf. Am Riederwald hat Sorger eine kleine, aber beeindruckende Bilanz hinterlassen. Zum ersten Mal bei einem Pflichtspiel auf dem Feld stand Severin Sorger beim 11:0 über Bayern Hof am 19. September 1959. Eine Woche später gewann die Eintracht das Derby beim FSV Frankfurt mit Sorger mit 4:2, der Neue Sport lobte Sorgers „hervorragendes Kopfballspiel in der Abwehr“. Doch nach diesen beiden Oberligaeinsätzen bei der Eintracht folgten für Sorger keine weiteren Einsätze. Als Champions-League-Finalist 1960 – allerdings ohne Einsatz – wechselte Sorger 1960 zum SV Niederlahnstein, für den er bis 1963 in 38 Oberligaspielen und 1963/64 sechsmal in der Regionalliga Südwest auflief. Ebenfalls aus Engers kommt Herbert Zimmermann, der von 1972 bis 1974 für Bayern München und von 1974 bis 1984 für den 1. FC Köln spielte. Er bestritt 14 A-Länderspiele für Deutschland (zwei Tore) und nahm 1978 gemeinsam mit Bernd Hölzenbein an der WM in Argentinien teil. Zusammen gespielt haben die beiden jedoch nicht, Zimmermann kam nur beim 0:0 gegen Italien zum Einsatz. Da war Holz nicht dabei.