07.04.2008
Traditionsmannschaft

"Das war das Größte überhaupt"

Einmal gegen frühere Bundesliga-Größen wie Karlheinz Körbel, Norbert Nachtweih oder Ralf Weber zu spielen - diesen Wunsch haben sich am Freitagabend die Alten Herren oder SG Merenberg erfüllt.

Auf dem Kunstrasenplatz in Merenberg erlebten zwischen 400 und 500 Zuschauer den 10:3-Sieg des Eintracht-Frankfurt-Traditionsteams gegen die Merenberger Elf mit. Andreas Molitor, Kapitän der Gastgeber, sprach nach der Partie aus, was viele der ehemaligen A-Liga- oder Bezirksligaspieler dachten: "Dieses Spiel war in meiner Fußballerkarriere das größte Erlebnis überhaupt." "Hallo, ich bin der Charly", mit diesen Worten hat sich Eintracht-Kapitän Karl-Heinz Körbel bei der Platzwahl vorgestellt. Der Abwehrspieler hält mit 602 Bundesliga-Einsätzen nach wie vor den Liga-Rekord.

Die Eintracht brachte außer Körbel etliche weitere Erstliga-Spieler aus den 70er, 80er oder 90er Jahren mit: Helmut Müller, Norbert Nachtweih, Jürgen Mohr oder Dietmar Roth, dazu als "Nachwuchs" die noch nicht einmal 40 Jahre alten Europapokalsieger Andrée Wiedener und Nationalspieler Ralf Weber. "Da dürfte die Erfahrung von 1500 Bundesliga-Spielen auf dem Platz stehen", meinte ein Zuschauer.

Eine Wette auf diesen Wert hätte er verloren: Die Eintracht-Formation, die am Freitag nach Merenberg gekommen war, brachte es laut Statistik sogar auf 1888 Bundesliga-Einsätze. Die Jahre, die Linksaußen Cézary Tobollik in der ersten französischen Liga oder Mittelstürmer Harald Krämer in der ersten Liga in Österreich verbracht haben, sind dabei nicht berücksichtigt. Auch die 28 Bundesliga-Spiele von Eintracht-Betreuer Harald Karger könnten noch hinzugezählt werden. Die erste Elf der Eintracht war also alles andere als eine Mogelpackung, auch wenn angekündigte Akteure wie Ronald Borchers oder Uwe Bindewald fehlten.Molitor: "Man konnte sehen, dass die kicken können. Das sieht so einfach aus."Engagiert ließen es die ehemaligen Profis vom ersten Moment an angehen - allerdings ohne die Gastgeber mit arrogant vorgetragenen Tricks oder Beinschüssen blöd aussehen zu lassen. Die Heimmannschaft verzichtete ihrerseits auf übermotivierte Aktionen, so dass man nach dem Spiel von einem "freundschaftlichen Miteinander" sprach.

Bis zur Pause hatten die Gäste fünf Treffer vorgelegt. "Man konnte sehen, dass die kicken können. Das sieht so einfach aus", sagte der Merenberger Kapitän Andreas Molitor. Vor allem Ralf Weber machte mit dem Ball, was er wollte. Annehmen, schauen und den Ball einem Mitspieler in den Lauf passen - das lief wie automatisch ab. Auch die Merenberger, die sich mit Akteuren anderer Vereine verstärkt hatten, gelangen schöne Aktionen, die nach der Pause mit drei Treffern belohnt wurden.

Ralf Weber wurde richtig pampig, als die Merenberger im zweiten Spielabschnitt einen Treffer nach dem anderen erzielten und bis auf 3:6 herankamen. "Ich schau mir das noch fünf Minuten an, dann gehe ich vom Feld", forderte er seine Mitspieler zu mehr Engagement auf. Derweil klagte Stürmer Harald Krämer, vor einigen Jahren noch Spielertrainer beim Landesligisten Viktoria Kelsterbach: "Mir fliegen gleich die Kniescheiben raus."

Die Eintracht tat nach dem Zwischenstand von 6:3 wieder mehr nach vorn, derweil auch die Merenberger immer mutiger in die Spitze spielten und in der Abwehr die eine oder andere Unterzahlsituation einkalkulierten. Stadionsprecher Hermann Görz freute sich: "Die Zuschauer haben eine tolle Schlussphase erlebt." Nach dem Spiel gab es für die Akteure der Heimmannschaft auch ein Lob von der Vorsitzenden Kristin Becker. Sie sagte: "Das hat Spaß gemacht. Ich bin stolz auf Euch."

Mit Blick auf die Kassenlage vermuteten die SG-Verantwortlichen aber, dass der Verein die Kosten für dieses Spiel nicht über den Eintritt finanzieren können wird. Die Kalkulation von 500 zahlenden Zuschauern ging nicht ganz auf - auch wenn die beim Bäcker bestellten 500 Brötchen schon zur Halbzeit vom Publikum verputzt worden waren.

Für Verein und Spieler dürfte der "Erlebnisfaktor Eintracht" jedoch jeden Euro wert gewesen sein. Timo Schmidt, Torwart der SG Gaudernbach/Hasselbach und während der ersten Halbzeit für die Gastgeber zwischen den Pfosten, sagte: "Ich hätte mich wahnsinnig geärgert, wenn ich nicht dabei gewesen wäre."

SG Merenberg/Oberlahn-Auswahl: Karsten Müller, Peter Kraus, Andreas Eisel, Matthias Bechtoldt, Udo Meuser, Markus Beck, Andreas Molitor, Olaf Becker, Jürgen Mehr, Jürgen Schermuly (alle SG Merenberg), Andreas Scherer (TuS Waldernbach), Jürgen Radu (SG Winkels/Probbach/ Dillhausen), Wolfgang Fischer (SG Niedershausen/Obershausen), Timo Schmidt (SG Gaudernbach/Hasselbach), Mirco Schäfer (SV Allendorf), Clemens Volz (SV Odersbach), Mathias Hott (TuS Aumenau), André Bethke (TuS Drommershausen), Olaf Schäfer (SG Hausen/Fussingen), Betreuer: Dieter Hannappel (TSG Bissenberg).

Eintracht Frankfurt: Joachim Jüriens, Helmut Müller, Dietmar Roth, Karl-Heinz Körbel, Dietmar Roth, Andrée Wiedener, Cézary Tobollik, Norbert Nachtweih, Jürgen Mohr, Holger Fritz, Ralf Weber, Harald Krämer, Christian Schönig, Igor Simonov, Klemens Appel, Tobias Wawroschek, Betreuer: Harald Karger.

Schiedsrichter: Holger Jung - Assistenten: Günter Kelterbaum, Horst Schuierer - Tore: Jürgen Schermuly (2), Olaf Schäfer (1) - Ralf Weber (3), Harald Krämer, Holger Fritz (je 2), Andrée Wiedener, Jürgen Mohr, Eigentor (je 1) - Zuschauer: 400 bis 500.

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