18.09.2012
Traditionsmannschaft

Charly Körbel berichtet vom Pokalsieg 1974 gegen den HSV

Durch einen 3:1-Erfolg nach Verlängerung sicherte sich die Eintracht zum ersten Mal in ihrer Vereinsgeschichte am 17.08.1974 den DFB-Pokal. Auch Eintracht-Urgestein Charly Körbel stand damals als junger Spieler auf dem Platz. Welche Erinnerungen er an das Spiel und den Finaltag hat, schildert er uns hier exklusiv.

Das Pokalfinale 1974 fand damals ja noch nicht in Berlin statt und der Austragungsort war das Düsseldorfer Rheinstadion. Auch der Termin war ungewöhnlich. Durch die Weltmeisterschaft wurde das Finale eine Woche vor dem Saisonstart der Bundesligaspielzeit 1974/75 festgesetzt. Gut, damals gab es noch nicht so die einschneidenden Kaderveränderungen, weder bei uns noch beim HSV. Ich glaube wir hatten drei bis vier neue Spieler. Aber das Pokalfinale war dann praktisch wie eine Vorbereitung auf die Bundesliga. Da wusste man nicht genau, wo die Mannschaft steht. Bis zu dem Zeitpunkt hatten wir nur Freundschaftsspiele absolviert. Glücklicherweise kamen unsere WM-Fahrer Grabi und Holz als Weltmeister nach Frankfurt zurück, was uns viel Selbstvertrauen gegeben hat.

Natürlich waren die Duelle mit dem HSV generell von einer großen Brisanz geprägt und meist außergewöhnlich. Der HSV hatte eine starke Mannschaft mit großen Persönlichkeiten. Vor dem Spiel kann ich mich noch gut an unserer Mannschaftssitzung erinnern. Ich spielte wie immer als Vorstopper und Gert Trinklein als Libero. Aber er bekam damals von Trainer Dietrich Weise klar die Anweisung, dass er nicht über die Mittellinie marschieren solle. Tja und in der 40 Minute fasste er sich ein Herz, dribbelte nach vorne und schoss uns mit 1:0 in Führung. Übrigens war Willi Reimann, der spätere Eintracht-Trainer, mit seiner Einwechslung Mitte der zweiten Halbzeit mein Gegenspieler.

In der Verlängerung stand das Spiel auf Messerschneide. Hölzenbein brachte uns zum Glück relativ schnell wieder Führung. Und dann war es Kraus mit einem Flugkopfballtor, der endgültig den Pokalsieg besiegelte. Wobei er bis zu dem Zeitpunkt wohl noch nie ein Kopfballtor in seinem Leben erzielt hatte.

Für mich war es damals als junger Spieler etwas ganz besonderes zum ersten Mal den Pokal in den Händen zu halten. Außerdem war es von mir so das erste Live-Spiel, das auch im Fernsehen gezeigt wurde. An dem Tag war auch das Stadion fest in der Hand von unseren Eintracht-Fans, die eine unglaubliche Stimmung machten. Ich kann mich auch noch erinnern, dass damals extra ein Bus aus meinem Heimatort Dossenheim mit Pfarrer und Bürgermeister nach Düsseldorf kamen. Auf dem Bankett nach dem Spiel wurden von den etablierten Spielern zur Feier Zigarren verteilt und ich bekam auch eine. Doch noch bevor sie angezündet wurde, steinigte mich Trainer Weise mit seinen Blicken und mahnte: „Nimm das Ding aus dem Mund!“ Ich mit meinen 19-Jahren hörte auf ihn und tat es auch. Die Feierlichkeiten waren einfach spitze und auch das erste Mal mit dem Pokal auf dem Römer zu stehen, war ein grandioses Erlebnis.

Eintracht Frankfurt: Peter Kunter, Peter Reichel (106. Helmut Müller), Gert Trinklein, Karl-Heinz Körbel, Jürgen Kalb, Bernd Nickel, Jürgen Grabowski, Roland Weidle (74. Wolfgang Kraus), Klaus Beverungen, Bernd Hölzenbein, Thomas Rohrbach

Hamburger SV: Rudolf Kargus, Manfred Kaltz, Peter Nogly, Klaus Winkler, Hans-Jürgen Ripp, Ole Björnmose, Klaus Zaczyk, Peter Krobbach (68. Kurt Eigl), Hans-Jürgen Sperlich, Horst Bertl (68. Willi Reimann), Georg Volkert

Tore: 1:0 Gert Trinklein (40.), 1:1 Ole Björnmose (75.), 2:1 Bernd Hölzenbein (95.), 3:1 Wolfgang Kraus (115.)

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