13.07.2020
Museum

Eintracht in jedem Winkel

Beim historischen Stadtrundgang durch Frankfurt nimmt Museumsdirektor Matthias Thoma seine Gäste mit auf eine Reise in die Vergangenheit.

Viele Orte in Frankfurt haben einen besonderen historischen Bezug zur Eintracht. Museumsleiter Matthias Thoma kennt die dazugehörigen Geschichten und erzählt die spannendsten auf einem Rundgang durch die Stadt. „Schaut euch in Frankfurt um, ihr findet die Eintracht überall!“, betont er. Den Startpunkt der Tour bildet das Uhrmachergeschäft von Albert Pohlenk in der Eckenheimer Landstraße 57. Pohlenk gilt als einer der Gründerväter, die am 8. März 1899 die Victoria ins Leben gerufen und somit den Grundstein für die spätere Entstehung der Eintracht gelegt haben. Von hier aus geht es weiter in die Finkenhofstraße, wo einst Emil Stelzer lebte. Er war als Turnlehrer bei der Eintracht tätig und hat sich vielfach in der Turngemeinde im nahe gelegenen Oeder Weg engagiert. Aufgrund der Heirat mit Else Stelzer und der Übernahme ihres jüdischen Glaubens geraten Emil und seine Frau ins Kreuzfeuer der Nationalsozialisten. Sie werden verfolgt und immer wieder verhaftet, nicht zuletzt, weil Emil sich weigert, die Ehe aufzulösen. Emil und Else Stelzer werden deportiert und in den Konzentrationslagern Buchenwald und Auschwitz ermordet. Zu ihrem Gedenken wurden 2008 zusammen mit Präsident Peter Fischer zwei von zahlreichen Stolpersteinen im Stadtgebiet verlegt. „Die Stolpersteine in Erinnerung an Mitbürger, die während des Nationalsozialismus verfolgt wurden, verlegen wir mittlerweile jedes Jahr“, berichtet Thoma.

Ganz in der Nähe befindet sich das Gebäude, in welchem Richard Kreß eine Drogerie führte. Der einstige Nationalspieler wurde 1959 mit der Eintracht Deutscher Meister, ein Jahr später erreichte er das Europapokalfinale und sicherte sich den Spielball, der heute noch im Eintracht Museum zu sehen ist. Bekannt wurde er als „Blitz von Horas“. Seinem Spitznamen machte er seinerzeit alle Ehre, als er seine Schnelligkeit unter Beweis stellte, indem er einen Ladendieb schnappen und überführen konnte.

Im Bann der Geschichte. Hinweis: Die Führung und das entstandene Gruppenbild fanden vor der Coronaphase statt.

Auf dem Weg zur nächsten Station geht es vorbei an der Alten Oper. Hier fanden bereits zahlreiche Empfänge und Feste statt, auch der 100. Geburtstag der Eintracht wurde in dieser Frankfurter Institution gefeiert. Noch interessanter ist die Historie des Café Hanselmann, welches einst auf der gegenüberliegenden Seite des Opernplatzes Treffpunkt für Fans und Spieler war. In diesem Szenecafé wurde in den 20er Jahren gemeinsam gefeiert, wobei meistens die Fans die Zeche zahlten. Genutzt wurde die Location außerdem als Ausgangspunkt für Auswärtsfahrten, bevor sie im Zuge der Weltwirtschaftskrise die Pforten endgültig schließen musste.

Auch an der Konstablerwache werden Eintracht-Fans an die Vereinsgeschichte erinnert. „Die Eintracht ist unmittelbar an der Schaffung dieses Platzes beteiligt. Dieser wurde Anfang der 1980er Jahre neugestaltet, wofür Spendengelder gesammelt wurden“, erklärt Geschichts-Guide Thoma. Wer lange genug sucht, kann hier einige Steine finden, auf denen diverse Eintracht-Legenden und Spender wie Cha Bum-kun, Bernd Nickel, Karl-Heinz Körbel und viele weitere zwecks Verschönerung des Platzes verewigt sind. Von der Konstablerwache aus geht es in Richtung Holzgraben. In der Parallelstraße zur Einkaufsmeile Zeil kann man noch heute die Rückseite des Kaufhaus Wronker bestaunen. Einst befand sich hier das größte Warenhaus Frankfurts. Besitzer Hermann Wronker zählte zu den Unterstützern der Eintracht. Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde der Geschäftsführer aufgrund seines Glaubens zum Verkauf gezwungen, im Krieg fiel das Gebäude dann den Bomben zum Opfer. Wer sich in der Straße genau umsieht, kann in den Obergeschossen der Häuser noch die wenigen unbeseitigten Kriegstrümmer der Stadt Frankfurt entdecken.

Im Parkhaus Hauptwache aus dem Jahr 1956, heute Deutschlands ältestes Parkhaus, befand sich im Erdgeschoss einstmals die Gaststätte von Alfred Pfaff. Der Weltmeister von 1954 führte hier mit seiner Ehefrau eine Kneipe, die Ende der 1950er Jahre lange Zeit als beliebter Treff- und Ausgangspunkt für Fans sowie Spieler diente. Thoma: „Seine Frau Edith lebt bis heute und erzählt tolle Geschichten aus der Kneipe von Alfred Pfaff.“

Wie kann nor e Mensch net von Frankfort sei!

Friedrich Stoltze

Das Stoltzedenkmal am Hühnermarkt gedenkt dem Dichter und Journalisten Friedrich Stoltze. Aus seiner Feder stammen die Zeilen: „Es is kaa Stadt uff der weite Welt, die so merr wie mei Frankfort gefällt.“ Stoltze war nicht nur bekannter Sohn der Stadt, sondern auch Ehrenmitglied bei der Eintracht. Aktiv beteiligte er sich am Vereinsleben in der Turngemeinde und feierte 1886 sogar seinen 70. Geburtstag im Kreise der Eintracht-Familie. „Mit dem Denkmal für einen Eintrachtler findet man die Eintracht so auch in der neuen Altstadt“, zeigt Thoma die Zusammenhänge auf.

Den Abschluss des historischen Stadtrundgangs bildet der Römerberg. „Hier hat wahrscheinlich jeder seine eigene Eintracht-Geschichte.“ Mit dem Römer sind zahlreiche Geschichten verbunden. Hier wurden triumphale Siege gefeiert, aber gemeinsam auch bittere Niederlagen verdaut. 1922 wurde erstmals die Schweizer Nationalmannschaft empfangen. Für die Eintracht folgten unzählige weitere Feierlichkeiten: 1959 der Gewinn der Deutschen Meisterschaft, die Pokalsiege in den 70er und 80er Jahren sowie der Europapokalsieg 1980. An die letzte große Feier werden sich die meisten Eintracht-Fans noch bestens erinnern: Mit 12.000 Menschen wurde hier 2018 die Rückkehr des Pokals bejubelt. Geschichte, die sich gerne wiederholen darf.

Das Eintracht Frankfurt Museum bietet regelmäßig Stadtführungen auf den Spuren der Eintracht. Die nächsten Touren finden an folgenden Tagen statt:

  • Freitag, 24. Juli, 17 Uhr
  • Sonntag, 26. Juli, 15 Uhr
  • Freitag, 31. Juli, 17 Uhr
  • Sonntag, 2. August, 15 Uhr

Anmeldung unter museum@eintrachtfrankfurt.de.

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