23.06.2021
Museum

„Abstieg ist ein bisschen wie sterben“ - Teil 3

1996 – 2001 – 2004 – 2011. Gleich drei der vier Abstiege der Frankfurter Eintracht feiern just in diesem Jahr ein mehr oder weniger rundes Jubiläum. Teil drei der Serie.

Vor 25, 20 und vor zehn Jahren musste die Eintracht den bitteren Gang in die Zweitklassigkeit antreten. Zeit also, um sich den tränenreichsten  Momenten der jüngeren Vereinsgeschichte zu widmen. Und da die Eintracht auch 2021/22 in einem europäischem Wettbewerb vertreten sein wird, fällt die Erinnerung nicht ganz so schwer – auch wenn längst noch nicht alle Wunden vernarbt sind. Sämtliche Vorgänge zu beleuchten, die zu den jeweiligen Abstiegen führten, dürfte Bücher füllen, die vermutlich wie Blei in den Regalen verharren würden, also belassen wir es bei einigen Streiflichtern. Glauben Sie uns, es fällt auch so schon schwer genug. Zum großen Finale der Serie geht der Blick diesmal zehn Jahre zurück und erinnert an die „Rückrunde der Schande“.

Der Abstieg 2011

Vielleicht symbolisiert das Spiel der Eintracht am 12. März 2011 auf Schalke das Wesen der Eintracht im Guten wie im Schlechten am eindringlichsten. Es war der 26. Spieltag, die Eintracht, die nach der Hinserie noch auf Platz sieben lag und Richtung Europa schielte, hatte in der Rückrunde aus acht Spielen zwei mickrige Punkt geholt – und kein einziges Tor geschossen. Dennoch rangierte sie auf dem 12. Tabellenplatz. Nach oben schaute aber niemand mehr. 45 Minuten waren gespielt, ein Tor bislang nicht gefallen. Torhüter Ralf Fährmann (damals im Trikot der Eintracht) hielt den Ball sicher in den Händen. Zum Abschlag legte er sich den Ball auf den Boden, übersah jedoch den hinter sich lauernden Raúl, der sich den Ball schnappte und von Fährmann daraufhin von den Beinen geholt wurde. Elfmeter für Schalke und gelb für Fährmann. Humorlos verwandelte Jurado den Strafstoß – und nach einem der unnötigsten Gegentreffer der Vereinsgeschichte ging es mit dem 0:1 in die Kabine der Veltins-Arena. Doch die Eintracht wäre nicht die Eintracht, hätte sie nicht noch eine Überraschung in petto. In der 70. Minute war es soweit: Weit in der eigenen Hälfte stehend, drosch Georgios Tzavellas den Ball nach vorne. Der eingewechselte Gekas, der in der Hinserie 14 Treffer erzielt hatte und nun schon seit Wochen neben sich stand, versuchte an den Ball zu kommen, irritierte dabei Schalkes Torhüter Manuel Neuer und so senkte sich die Kugel ins Netz, ohne dass sie noch von jemandem berührt wurde. Ausgleich. Nach zermürbenden 793 Minuten hatte Eintracht Frankfurt wieder einmal getroffen. Und die Distanz von 73 Metern zwischen Torschützen und Tor bedeuteten zum damaligen Zeitpunkt neuer Bundesligarekord.

Doch der Ausgleich beflügelte die SGE nicht wirklich, im Gegenteil: In der 84. Minute traf der eingewechselte Angelos Charisteas nach nicht einmal einer Minute in seinem ersten Spiel für Schalke zum 2:1 Siegtreffer. Es sollte  Charisteas‘ einziges Tor für Schalke bleiben. Ausgerechnet gegen die Eintracht. Ausgerechnet Charisteas. Der vierte Abstieg der Eintracht-Geschichte winkte am Horizont. Und die „Rückrunde der Schande“, wie sie Vereinspräsident Peter Fischer rückwirkend bezeichnete, nahm Formen an. Daran änderte auch die Verpflichtung von Christoph Daum wenig später nichts, der den kurioserweise nach dem ersten und einzigen Sieg in der Rückrunde entlassenen Michael Skibbe ersetzte.

Die Eintracht hatte den FC St. Pauli in einem schwachen Spiel mit 2:1 gewonnen, der Vorsprung auf den Relegationsplatz 16 betrug aber lediglich drei Punkte. In der Pressekonferenz zur Entlassung von Skibbe sagte Vorstandschef Heribert Bruchhagen: „Wir haben eine total verunsicherte Mannschaft, die zuletzt nicht das Selbstbewusstsein gezeigt hat, um dem Ziel Klassenverbleib näher zu kommen“, während der enttäuschte Michael Skibbe verkündete: „Ich bin mir sicher, dass Eintracht Frankfurt auch mit mir in der neuen Saison in der ersten Liga gespielt hätte.“ Die Eintracht verpflichtete Christoph Daum, der die Truppe für die letzten Saisonspiele noch einmal motivieren sollte. In Erinnerung blieb allerdings sein Spruch auf der Antrittspressekonferenz: „Wenn der Kopf richtig funktioniert, dann ist er das dritte Bein.“

Das erste Training unter Daum fand vor 2000 Zuschauern statt, der Hessische Rundfunk übertrug live. Das erste Spiel endete mit einem 1:1 beim VfL Wolfsburg. Doch der „Turnaround“ fand nicht statt. Nach einem Unentschieden gegen den SV Werder Bremen und einer Niederlage in Hoffenheim empfing die SGE am 23. April 2011 den FC Bayern. In der 54. Minute brachte uns Seppl Rode mit 1:0 in Führung. Und jeder Eintrachtler rauft sich bis heute die Haare, denkt er an die 82. Minute, als Jung in die Mitte flankte und Gekas freistehend im Fünfmeterraum… hach, lassen wir das. Fünf Minuten später kamen die Bayern durch einen verwandelten Foulelfmeter von Gomez zum Ausgleich. Auf die folgenden Spiele in Mainz, zu Hause gegen den 1. FC Köln und beim späteren Meister Borussia Dortmund möchten wir gar nicht mehr eingehen. Mit 34 Punkten belegte die SGE nach dem 34. Spieltag Platz 17. Für alle noch mal zum Nachlesen und Ärgern: Nach Ende der Vorrunde hatte die Eintracht 26 Punkte und 16 Punkte Vorsprung auf den Tabellenletzten Borussia Mönchengladbach. In der Rückrunde holte die SGE mit sieben erzielten Treffern gerade mal acht Punkte, einem Sieg standen fünf Unentschieden und elf Niederlagen gegenüber. Das war 2011 – und damit soll auch unser kleiner Rückblick auf die „Jubiläums-Abstiege“ enden. Von wegen „früher war alles besser“ – die Gegenwart ist golden!!!

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