27.11.2022
Museum

15 Jahre Eintracht Frankfurt Museum

Exponate, Veranstaltungsreihen, Kooperationen, Kulturgut. Das Museum ist eine Erfolgsgeschichte, die über das Adlerdach hinausgeht.

Als das Eintracht Frankfurt Museum mit einer Feier für die Gremienmitglieder des Vereins am 28. November 2007 eröffnet wurde, waren die Macher stolz auf den Plastikstuhl von Horst Ehrmantraut, auf die Meisterschale von 1959, auf vier DFB-Pokale und einen UEFA-Cup. Jetzt feiert das Museum bereits seinen 15. Geburtstag, und gerade in den vergangenen Jahren sind viele spektakuläre Ausstellungsstücke dazu gekommen. Da die Räumlichkeiten begrenzt sind, muss das Museum vermehrt nachverdichten...

Als das Museum seine Pforten erstmals öffnete, hatte die magische SGE gerade 1:4 gegen den VfB Stuttgart verloren. Benjamin Köhler hatte die SGE zwar in Führung gebracht, aber Hilbert, Marica, Hitzlsperger und Cacau verpassten der Eintracht im zweiten Durchgang einen Dämpfer, die Mannschaft stand nach dem 14. Spieltag auf Platz elf der Fußballbundesliga.

Präsident Peter Fischer spricht zur Eröffnung des Museums am 28. November 2007.

Das Museumsteam bestand zu Anfangszeiten aus zwei Festangestellten und vier Honorarkräften, Führungen wurden mittwochs und sonntags angeboten – und der Förderverein Eintracht Frankfurt Museum, der in den Wochen vor der Eröffnung gegründet wurde, hatte etwas über 30 Mitglieder. Ein Vereinsmuseum war 2007 in Deutschland etwas ganz besonderes, Vorbilder gab es in Hamburg, Bremen, Köln, Dortmund und auf Schalke. Andere Vereine hatten den immensen Wert der eigenen Geschichte zwar schon erkannt, diese aber noch nicht in Ausstellungen vermittelt.

Immer für einen Überraschungsgast gut: Zum 50. Jahrestag des Halbfinalsiegs gegen den Rangers FC kam ein Dudelsackspieler zu Besuch.

Das alles hat sich in den vergangenen 15 Jahren gewaltig geändert. Heute ist das Eintracht Frankfurt Museum Teil des „Netzwerks der deutschsprachigen Fußballmuseen und Vereinsarchive, dem sich 52 Vereine aus dem professionellen Fußball angeschlossen haben. Vereinsmuseen gibt es bei zehn Vereinen, darüber hinaus hat der DFB mit dem Deutschen Fußballmuseum in Dortmund ein nationales Fußballmuseum eröffnet, in dem selbstverständlich auch Exponate des Eintracht-Museums ausgestellt sind. Das Museumsteam um Geschäftsführer Matthias Thoma ist in den vergangenen Jahren auf 25 Mitarbeitende gewachsen, die Gruppen durch Ausstellung und Stadion führen, Veranstaltungen moderieren, Konzepte erarbeiten und aus der reichhaltigen Vereinshistorie berichten. Der Förderverein umfasst derweil fast 1.000 Mitglieder.

Von Abraham bis Zick

Immer wieder sind ehemalige Spieler der Eintracht im Museum zu Gast, die Liste reicht von David Abraham bis Claus-Peter Zick und von Alfred Pfaff bis Jürgen Grabowski.  Bei Besuchen von Anthony Yeboah und Bum-kun Cha mussten die Museumsräumlichkeiten verlassen werden, die Veranstaltung wurde in die Welcome Zone des Stadions verlegt. Und das Eintracht-Museum hat in Deutschland das Historische Public Viewing salonfähig gemacht. Zwei Mal, 2009 und 2013, zeigten die Macher die spektakulären Saisonfinals von 1999 und 2003 auf dem Videowürfel, das begeisterte Publikum nahm derweil auf den Business Seats der Haupttribüne Platz.

Sonderausstellung zur Fußballweltmeisterschaft der Frauen 2011.

Für viele Frankfurter Schulen gehört der Besuch im Stadion mittlerweile zum festen Unterrichtsplan. Im Museum als außerschulischer Lernort finden Führungen, Workshops und Projektwochen statt, für viele Schülerinnen und Schüler ist der Besuch der erste Kontakt zu einer Kultureinrichtung. In Kooperation mit dem Stadtschulamt finden regelmäßig Lernferien statt, die überregionale Bildungsarena hat ihren Frankfurter Standort im Deutsche Bank Park und international ist das Museum Kooperationspartner beim EU-Projekt Football makes history.

Am Sonntag, 11. Dezember, feiert das Eintracht Frankfurt Museum mit einem großen Familienfest seinen 15. Geburtstag. Freut euch auf Fußballartisten, Maskottchen Attila, Präsident Peter Fischer, Stadionführungen und den UEFA-Pokal. Der Eintritt ist frei!

Besonderen Wert legt das Museumsteam auf Veranstaltungen, die den Blick über den Tellerrand des Fußballs richten. In den vergangenen Jahren gab es zahlreiche Lesungen, Diskussionsrunden und Veranstaltungsreihen, die den kulturellen Wert des Sports in den Vordergrund rückten oder die Verantwortung des Fußballs behandelten. Mit Unterstützung des DFL-Förderpools Pfiff konnte eine Veranstaltungsreihe „Die Macht des Sports“ konzipiert werden, in der die Schattenseiten der schillernden Fußballwelt beleuchtet wurden.

Eingespieltes Moderationsduo: Beve (l.) und Pia (r.), hier mit Vizepräsident Stefan Minden.

In Diskussionsrunden wurde das Thema Mobbing im Fußball behandelt, der Umgang mit Schiedsrichtern im Amateur- und Profibereich hinterfragt, große Veranstaltungen gab es mit Thomas Hitzlsperger zum Thema Homophobie im Fußball und mit Theresa Enke zum Thema Depressionen. Seit 2011 findet in Zusammenarbeit mit der Fanbetreuung der SGE vor Heimspielen auf dem Museumsvorplatz die Waldtribüne statt, auf der Pia und Beve engagierte Fans und Eintracht-Legenden begrüßen. Seit 2018 organisiert das Eintracht-Museum, ebenfalls gemeinsam mit der Fanbetreuung, Veranstaltungsreihen unter dem Titel „Spurensuche“, die mit abschließenden Reisen nach Theresienstadt, Buchenwald oder Dachau enden. Für die vorbildliche Aufarbeitung des Vereinslebens im Nationalsozialismus wurde das Eintracht Frankfurt Museum 2021 mit dem Julius-Hirsch-Preis des DFB ausgezeichnet.

1.341 Wimpel, 1.309 Textilien, 784 Erinnerungsstücke

Seit 2012 dokumentiert das Eintracht-Museum als einziges deutsches Fußballmuseum seine Arbeit in einem regelmäßig erscheinenden Jahrbuch. In dem Jahrbuch finden sich Berichte über die einzelnen Veranstaltungen, Neuerwerbungen und ausführliche Texte zu Schwerpunktthemen der Sportgeschichte. Beim Blick in die Jahrbücher fällt auf, dass die Sammlung des Museums seit vielen Jahren beständig wächst. Mittlerweile befinden sich im Bestand des Museums 1.341 Wimpel, 1.309 Textilien und 784 Erinnerungsstücke. Die Vereinszeitungen der Eintracht und Ihrer Vorgängervereine sind zu größten Teilen erhalten und digitalisiert, die ältesten Exemplare stammen dabei aus dem Jahr 1901.

Der Erfolg der vergangenen Jahre hat auch die Bestände des Museums massiv wachsen lassen. Bereits 2017 wurde das Foyer des Museums neugestaltet, nach dem Pokalsieg 2018 wurde hier eine Vitrine für Neuerwerbungen platziert. In Coronazeiten wurde die Schatzkammer, der zentrale Ausstellungsraum, neugestaltet. Hier finden Besucher derzeit die Mitbringsel der Europapokalsaison 2021/22. Im vergangenen Jahr wurde die Rückwand des Wechselausstellungsraums um eine neun Meter langen Vitrine, die die Entwicklung des Vereins abbildet, ergänzt.

Durch diese Nachverdichtung können im Eintracht-Museum immer wieder neue Exponate zur Geschichte der Eintracht gezeigt werden. Die Euphorie rund um die SGE merkt man auch an den Besucherzahlen der Ausstellung. Im ersten Jahr seines Bestehens verzeichnete das Museum rund 15.000 Besucher. Wie das Inventar ist auch der Optimismus gewachsen, im Jahr des 15. Bestehens die 50.000er-Marke zu knacken.

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